• Sie schließen spontane Protestaktionen der Postbeschäftigten nicht aus, falls die Bundespost in den zur Zeit laufenden Tarif Verhandlungen keinen Sockelbetrag und kein Urlaubsgeld anbietet. Woraus resultiert dieser plötzliche Unmut?

Fehrenbach: Erstens erscheint uns das Angebot der Arbeitgeberseite von fünf Prozent nicht ausreichend, das gewerkschaftliche Ziel zu erreichen, in diesem Jahr das Realeinkommen zu sichern. Zum anderen steht dieses Angebot in seiner Struktur völlig im Widerspruch zu der Meinung unserer Mitglieder, man müsse differenzierte Anhebungen durchführen, beispielsweise durch einen Sockelbetrag. Schließlich gehören etwa 90 Prozent der Postbediensteten dem einfachen und mittleren Dienst an. Da die Regelungen im Tarifbereich in der Regel für die Beamten übernommen werden, würde eine ausschließlich lineare Erhöhung einem hoch verdienenden Beamten in unangemessener Weise mehr geben als zum Beispiel einem kleinen Mann mit dem bescheideneren Einkommen.

  • Ist es nicht dennoch peinlich, wenn die Postler mit ihren sicheren Arbeitsplätzen angesichts von 1,2 Millionen Arbeitslosen mit Kampfmaßnahmen drohen?

Fehrenbach: An Kampfmaßnahmen sind wir nicht interessiert. Dennoch müssen wir mahnen, daß gewisse Erfordernisse selbst bei der derzeitigen Wirtschaftlichen Entwicklung berücksichtigt werden. Dazu gehört ein höheres Angebot des Arbeitgebers, das der Struktur unserer Mitglieder entspricht. Nicht die Postgewerkschaft hat mit Kampfmaßnahmen gedroht, sondern die Reaktionen der Beschäftigten auf die Angebote vom 14. Januar sollten, die Arbeitgeber veranlassen, sich bis zur nächsten Tarifrunde am 15. Februar etwas einfallen zu lassen.

  • Ist diese Mahnung ernst gemeint oder nur als das übliche Vorgeplänkel zu Tarifverhandlungen zu verstehen?

Fahrenbach: Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Lage sind wir an einer Zuspitzung nicht interessiert. Wir sind wohl daran interessiert, und das ist legitim, die Sicherung der Realeinkommen zu erreichen, die man mit dem Arbeitgeberangebot von fünf Prozent nicht erreichen kann. Soweit für eine Verbesserung des Angebots der Arbeitgeber nur ein begrenztes Finanzvolumen zur Verfügung steht, sollte dies unter sozialen Aspekten verteilt werden. Verglichen mit früheren Jahren, sind unsere Forderungen geringer. Wir müssen uns auf Entwicklungen einstellen, wie sie in unserem Land leider zur Zeit vorhanden sind.

  • ...also Einsicht in die wirtschaftliche Notwendigkeit?