Bundeskanzler Schmidt beschwor in der Deutschland-Debatte die Zugehörigkeit aller Deutschen zu einer deutschen Nation:

Die beiden deutschen Staaten haben miteinander vielerlei Meinungsverschiedenheiten, aber sie haben auch vielerlei Gemeinsamkeiten. Sie beide nennen sich deutsch, und es gibt auf der Welt keinen dritten Staat, der sich so nennt.

Die Deutschen wollen nicht – und wer es etwa wollte, der könnte es nicht – sich von ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Nation lossagen.

Nach unserer gemeinsamen Überzeugung ist deshalb in der Tat das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Staaten ein Verhältnis von besonderer Art. Wir bleiben dabei, auch wenn die Führung der DDR darin – fälschlich – den Versuch der Bundesrepublik zu sehen meint, der DDR einen internationalen Minderstatus aufzuzwingen. Die Bundesregierung spricht von der Besonderheit im Verhältnis der beiden deutschen Staaten zueinander nicht etwa, um zu versuchen, die Souveränität der DDR anzutasten, sondern wir erblicken die Besonderheit darin, daß in beiden deutschen Staaten Deutsche leben und daß wir Deutschen einen Anspruch auf Gestaltung unseres nationalen Schicksals nach unserem eigenen Willen haben.

Von dieser Überzeugung läßt sich die Bundesregierung auch in Zukunft leiten.

Das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ rügte in einem Kommentar die „Gehässigkeit“ während der Deutschland-Debatte im Bundestag:

Als BRD-Kanzler Schmidt am Donnerstagvormittag vor einem halbleeren Plenarsaal des Bundestages seine Regierungserklärung mit den realitätsbezogenen Worten einleitete: „25 Jahre nach der Begründung der beiden deutschen Staaten kann über deren Realität niemand mehr hinwegsehen“, glaubte man fast, eine Sternstunde im Bundestag der BRD zu erleben. Mit diesem Traum war es jedoch bald aus, denn das Gegenteil trat ein. Als Augenzeuge fühlte man sich vielmehr in eine Zeit zurückversetzt, als es im Bundestag Mode war, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu versuchen, den östlichen Nachbarn, die Deutsche Demokratische Republik, in den Anklagestand zu versetzen ...

Da fielen Sätze über „Mauer“, „Stacheldraht“, „Todesstreifen“, „Schießbefehl“, „Fluchthelferprozesse“, „Spionage“, „Vertragsbruch, Belastungen“ usw. usf. All das geschah mit nicht zu übertreffender Gehässigkeit; Doch nicht genug. Man muß sich fragen, ob der Herr Bundeskanzler auch angesichts der noch von ihm; in; Aussicht gestellten Verhandlungen mit der DDR bei der Abfassung dieser Regierungserklärung gut beraten war.“