Mit keinem seiner eigenen Sätze zitiert sich Daimler-Benz-Chef Joachim Zahn lieber als mit diesem: „Wir müssen den Export mit Klauen und Zähnen verteidigen.“ Also auch um den Preis von vorübergehenden Verlusten, wie sie nicht allein bei Daimler-Benz im Ausland gelegentlich zu notieren waren.

Für diese weitverbreitete kompromißlose Einstellung haben deutsche Manager vor allem zwei Gründe:

  • Nur der Export sichert Stückzahlen, die sich kostengünstig produzieren lassen.
  • Das Beschäftigungsrisiko wäre zu groß, wollte man sich allein oder einseitig dem deutschen Markt verschreiben.

Das vergangene Jahr liefert hierfür eindrucksvolle Beispiele. Während die Inlandsnachfrage zum Teil katastrophale Einbrüche aufwies, kletterte der Export mit über 230 Milliarden Mark auf nie geahnte Höhen. Das Exportvolumen schwoll real – das heißt: preisbereinigt – um 15 Prozent; die Preissteigerungen eingerechnet sogar um 30 Prozent. Den Exportüberschuß im Außenhandel, den man schon 1973 mit 33 Milliarden Mark auf kaum wieder erreichbarer Höhe gewähnt hatte, erreichte eine auch von Optimisten nicht annähernd vorhergesagte Höhe von fünfzig Milliarden Mark. 23 Pfennig jeder Mark, die die Deutschen zu ihrem Volkseinkommen (Bruttosozialprodukt) zusammentrugen, stammten aus dem Ausland. Ein Jahr zuvor waren es erst 19 Pfennig.

Hätten sich aber Exporte und Importe im vergangenen Jahr auch nur ausgeglichen, wie manche Pessimisten es angesichts der Ölpreissteigerung an die Wand gemalt hatten, so hätte nach einer Rechnung des Instituts der Deutschen Wirtschaft schon im Sommer eine Million Arbeitsloser auf der Straße gestanden.

Deutlicher läßt sich wohl kaum darstellen, welchen Stellenwert die deutsche Wirtschaft dem Export zubilligen muß. Das florierende Geschäft mit dem Ausland hat im vergangenen Jahr eine massive Rezession verhindert. Und es hat auch dafür gesorgt, daß die Erträge vieler Unternehmen nicht ins Bodenlose sanken und Branchen wie Chemie, Stahl, Schiffbau dank guter Auslandsgeschäfte sogar Rekordgewinne erzielten.

In den wichtigsten Abnehmerländern der Bundesrepublik wütete die Inflation noch schlimmer als hierzulande. Dadurch kamen deutsche Exporteure in den Genuß von erheblichen Wettbewerbsvorteilen und konnten sogar noch einiges für die eigene Kasse tun. Die deutsche Stabilitätspolitik, die manches Unternehmen in eine Krise trieb, sorgte so dafür, daß die deutsche Konkurrenzfähigkeit – und damit zahlreiche Arbeitsplätze – erhalten blieben.