Von Rudolf Walter Leonhardt

Eine Sekretärin in Hamburg verdient, wenn sie gut verdient, 1500 Mark netto im Monat. Davon bezahlt sie etwa 500 Mark für eine kleine, aber feine Zweizimmerwohnung mit Licht, Heizung und Telephon, am Stadtrand. Für die tägliche Fahrt in die City und zurück gehen fast 100 Mark drauf. 250 rechnet sie für Essen und Trinken, 50 für Kosmetik. Kleidung: 150 Mark. Auf einen Bausparvertrag zahlt sie jeden Monat 100 Mark ein. Vereinsbeiträge, Zeitungen und Zeitschriften machen noch einmal rund 50 Mark. Es bleiben ihr 300 Mark: für statistisch nicht Erfaßbares, für Korrekturen zu niedrig geschätzter Ausgaben, für Theater, Konzert oder Kino, für den Urlaub.

Alle Hamburger Sekretärinnen wissen nun, daß "Zahlen lügen"; denn ihr eigenes Budget kennen sie ja, und das sieht vermutlich, bei den Einnahmen wie bei den Ausgaben, anders aus. Dennoch: Im Durchschnitt wird es, wo Statistik angereichert, aufgefüttert wird durch Empirie, so einigermaßen stimmen.

Eine lustige Modellkonstruktion von Statistikern und Nationalökonomen ist der sogenannte "Brotkorb". Was in so einen Korb alles hineingepackt wird, der in Neu-Delhi ebenso verzehrt werden soll wie in Washington, ist eine Wissenschaft für sich; auch eine, deren Ergebnissen gegenüber Skepsis zuweilen angebracht ist.

Wir arbeiten hier mit einem Brotkorb" der Financial Times also einer der bestangesehenen und bestinformierten Wirtschaftszeitungen der Welt, die am 23. Januar eine Übersicht veröffentlichte, einen "Führer durch die Lebenskosten rund um die Welt". Einige Daten haben wir schlicht gestrichen – zum Beispiel, nach Rücksprache mit dem Volkswagenwerk, die Behauptung, ein VW-Käfer koste in Buenos Aires 8500 Dollar (internationale Statistiken arbeiten mit Vorliebe auf Dollar-Basis) und in Amsterdam 1080. Nachdem die Welt solchen Unsinn auch noch weiter verbreitet hatte, war die Autokäuferlawine nach Holland kaum noch aufzuhalten. Andere haben wir zum Teil korrigieren, zum Teil übernehmen können.

Wieviel Flaschen Whisky?

Die Zusammensetzung des "Brotkorbes" konnten wir nicht korrigieren; da wir sonst die ganze Statistik hätten umstoßen müssen. Also haben wir die 100 Aspirin und die 500 g Salz drin gelassen; es handelt sich da offenbar um Sekretärinnen mit chronischen Kopfschmerzen, die vielleicht von dem erhöhten Salzverbrauch herrühren. Wir haben den Brotkorb übernommen als "das zum Leben notwendige Essen und Trinken für zwei Personen in einer Woche".