Die Konjunktur-Propheten des Münchner ifo-Instituts sind mit ihren Voraussagen für 1975 weniger optimistisch als die Bundesregierung. Während der Bonner Jahreswirtschaftsbericht für dieses Jahr mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von drei Prozent rechnet, erwarten die ifo-Leute vier Prozent. Im Augenblick sind fünf Prozent der Berufstätigen ohne Beschäftigung. Auch die Bonner Hoffnung, das reale (preisbereinigte) Wachstum des Volkseinkommens werde zwei Prozent erreichen, teilen die Münchner nicht. Sie rechnen nur mit der Hälfte.

Einig ist man sich in der Einschätzung der mutmaßlichen Teuerung: Auf sechs Prozent wird die Inflationsrate in Bonn und München im Jahresdurchschnitt veranschlagt.

Die Münchner Wirtschaftsforscher, die zwar auch mit einer Wende zum Besseren rechnen, können nicht glauben, daß schon das zweite Halbjahr 1975 den Boom bringt, der erforderlich wäre, die gegenwärtigen Minustrends auf das Bonner Wachstumsmaßumzumodeln. Im übrigen votieren die ifo-Männer für Steuererhöhungen, um den zu erwartenden Mehrausgaben der „öffentlichen Hände“ ihre preistreibende Wirkung zu nehmen. Dieser Empfehlung kann Bonn, wo man schon den ganzen Ärger mit der Reform am Hals hat, in diesem Jahr wohl kaum folgen.