Von Karl Schiller

Wenn der amtierende Bundeswirtschaftsminister eine grundsätzliche Schrift unter dem Titel

„Mut zum Markt. Wirtschaftspolitik ohne Illusionen“; Verlag Bonn Aktuell, Stuttgart 1974; 134 S., 12,– DM

herausbringt, dann kann ihm das Interesse vieler Beobachter und Leser sicher sein. In der Tat gibt diese Schrift, entstanden aus der Beschäftigung mit aktuellen Tagesproblemen, Auskunft über Motivationen und Zielsetzungen der derzeitigen amtlichen Wirtschaftspolitik.

Der Verfasser geht von der Feststellung aus, daß die marktwirtschaftliche Ordnung „nicht mehr unangefochten“, ja, daß sie „gefährdet“ sei. Die Anlässe und Gründe für diese Gefährdungen, auch die Energiekrise und die Weltinflation, sind leicht aufgezählt. Der Minister versucht dabei zu zeigen, wie marktwirtschaftliche Politik dennoch in den „neuen Wirklichkeiten“ möglich ist. Interessant ist dabei, daß der Liberale Friderichs nicht um die Aussage herumkommt: „Der leise Vormarsch des Staates wird dennoch nicht aufzuhalten sein.“

Das Kernstück seiner Thesen trägt den bezeichnenden Titel: „Globalsteuerung – ohne Wunderglauben.“ Hier wird die globale Steuerung des Wirtschaftsablaufs dargelegt, „die über die Finanzpolitik, die Geld- und Kreditpolitik und die Außenwirtschaftspolitik den konjunkturpolitischen Rahmen setzt, innerhalb dessen sich die Marktteilnehmer bewegen“. Die Vorteile einer solchen Politik, die sich also darauf, beschränkt, makroökonomische Daten zu setzen, die dagegen die mikroökonomischen Beziehungen zwischen den Wirtschaftseinheiten dem Markt überläßt, werden an Hand des Stabilitätsprogramms der Regierung vom Mai 1973 und im internationalen Vergleich des Verlaufes der Inflationsraten im Jahr 1974 eindrucksvoll belegt.

Plädoyer für das Wachstum