Von Hayo Matthiesen

Frieder Naschold macht sich da nichts vor. Der Rektor der Universität Konstanz steht auf dem Dach seiner Hochschule, auf den Höhen des Gießbergs, blickt bekümmert über den Bodensee und sorgt sich: „Eine ausgesprochene Schlechtwetterlage für die Hochschulpolitik. Der Reformauftrag unserer Universität ist äußerst gefährdet.“

Die Gefahr kommt direkt aus dem Norden, aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt, und dort aus dem Finanz- und aus dem Kultusministerium. Denn zum einen soll der Etat der Konstanzer Hochschule einschneidend gekürzt werden, zum anderen drohen restriktive Eingriffe in die praktizierte Studienreformarbeit. Beides, die beklemmende Finanzsituation und die Einengung von Reformen, ist für Frieder Naschold eine „Zangenbewegung – ein Fiasko ist hier durchaus möglich“: denn der weitere Auf- und Ausbau der Hochschule sei praktisch unmöglich, die Qualität der Ausbildung müsse sich zwangsläufig verschlechtern, in den Naturwissenschaften könnten keine ordnungsgemäßen Studien mehr garantiert werden und Forschungsprojekte ließen sich nur noch unzulänglich weiterführen.

Wie kritisch das Verhältnis zwischen den Hochschulen des Landes und den Politikern mit ihren Verwaltungen gerade gegenwärtig ist, verdeutlicht auch der Rücktritt des Ulmer Rektors Helmut Baitsch, der Vorsitzender der baden-württembergischen Rektorenkonferenz war: Er gab sein Amt auf, weil die beabsichtigten Etatkürzungen seiner Ansicht nach die Entwicklungskonzeption der Ulmer Hochschule in Frage stellten.

Wie berechtigt die Befürchtungen Nascholds sind, geht auch daraus hervor, daß das Kultusministerium in Stuttgart selber einräumt: „Hinter dem Säbelgerassel des Rektors steht die nicht ganz unbegründete Sorge; das Ministerium werde im Zuge seiner Bemühungen um die Studienreform die Verhältnisse in Konstanz genauer unter die Lupe nehmen und doch in einigen Punkten auf Änderung drängen.“

Noch ist indes nicht sicher, ob die ministeriale Bürokratie oder Kultusminister Wilhelm Hahn selber die Konstanzer Reformbemühungen einschränken oder gar abwürgen werden. Die Gefahr besteht, auch wenn die Eingriffe eine Institution treffen würden, die eine Funktion weit über die Landesgrenzen Baden-Württembergs hinaus erfüllt. Die Universität Konstanz ist. glücklicherweise nie zu dem geworden, was einigen ihrer Gründer vorschwebte: eine Musterhochschule, Typ Klein-Harvard am Bodensee.

Statt zu einer Eliteanstalt hat sich Konstanz konsequent zu einer Reformuniversität entwickelt, weil Hochschullehrer und Studenten sich weitgehend gemeinsam stets an das Wort des Mitgründers Ralf Dahrendorf gehalten haben: „Diese Universität hat die Aufgabe, neue Wege zu erkunden.“ Trotz ihrer geradezu lächerlich jungen Jahre – vor zehn Jahren wurde sie eröffnet, Heidelberg und Freiburg sind älter als 500 Jahre! – darf Konstanz bereits jetzt Modellcharakter für die Hochschulen der ganzen Bundesrepublik beanspruchen. Heute, da vor allem inhaltliche Strukturfragen der Studiengänge gelöst werden müssen, ist diese Hochschule wichtiger denn je. Kaum eine andere Universität nämlich – so darf man behaupten, auch wenn die meisten anderen nicht damit einverstanden sind – kann so viele positive Ansätze zur Studienreform aufweisen wie Konstanz: