Als 1972 der BMW 520 mit Zweiliter-Vierzylinder-Motor vorgestellt wurde, verkündete der Sprecher mit Inbrunst: Nein, an einen Sechszylinder ist nicht gedacht! Die Techniker schmunzelten; Sie hatten schon ausprobiert, daß er unter die Haube paßt. 1973 kam dann dieser Sechszylinder im BMW 525 (2,5 Liter, 145 PS). Er entwickelte sich zum Schlager und ließ die Münchener zum einzigen Hersteller in der Bundesrepublik werden, der 1974 trotz Krise seinen Ausstoß an Sechszylinder-Modellen erhöhen konnte.

Jetzt folgt der nächste Schlag: Außer dem 2,5-Liter-Motor wird auch die 2,8-Liter-Maschine (aus dem 2800) in das 520er-Gehäuse eingebaut. Es entsteht eine „bayerische Bombe“. Der BMW „528“ ist 165 PS stark, an die 200 km/st schnell und in 9,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Diese Werte gehören mit zu den höchsten im weiß-blauen Angebot, das um leistungsfreudige Typen gewiß nicht verlegen ist.

Der neue 528 ist so recht ein Auto nach dem Herzen alter BMW-Fans: kompakt, wendig, straff – und vor allem stark. Mangel an Leistung empfindet man so gut wie nie, sei es bergauf, beim Beschleunigen, beim Überholen.

In der Kraft liegt freilich auch die Versuchung: Gerade BMW-Fans der alten Schule werden den größeren Motor kaum dazu benutzen, gelassener und gepflegter zu fahren – wozu das äußerst geschmeidige Triebwerk geradezu prädestiniert ist. Die Kasko-Klasse für den 528 spricht eine deutliche Sprache – sie liegt um einiges höher als beim 525 oder den Vierzylindern.

Natürlich: Es sind nicht die Autos, die anecken, sondern ihre Fahrer. Der 528 ist mit allem ausgerüstet, was kritische Situationen meistern hilft, so mit hervorragenden Bremsen (vier Scheiben, Doppelzweikreis-System), mit breiten 70er Reifen, dazu mit Servolenkung und einem verstellbaren Lenkrad. Mit 21 400 Mark müssen für ihn genau 2220 Mark mehr hingeblättert werden als für den 525 (der immerhin auch 193 km/st schnell ist). Ein „530“ mit Dreiliter-Triebwerk als logische Fortsetzung der Reihe ist übrigens (wirklich) nicht geplant.

Die „5er“-Serie bei BMW umfaßt jetzt fünf Modelle – vom 518 mit 90 PS über den 520 (115 PS), 520 i (Benzineinspritzung, 130 PS) und 525 bis zum 528. Sie entwickelte sich zu einem Erfolg, der selbst seine Väter überrascht: Fünf Prozent Marktanteil sind für die weiß-blaue Marke bislang das beste Ergebnis. Gebaut werden alle „5er“ in Dingolfing, in einem brandneuen Werk – früher bosselte man auf gleichem Gelände an „Goggos“. Der Übergang zu BMW hat sich gelohnt: Bislang war hier noch keine Stunde Kurzarbeit nötig. St. W.