Eine Affäre hat ihr Ende gefunden. Sie dauerte genau; eine karnevalistische Session und könnte eine Posse sein, hätte in ihr nicht der Ruf eines Mannes, das Ansehen einer mächtigen Organisation und die Glaubwürdigkeit des Verfassungsschutzes und der Bundesanwaltschaft nicht so gelitten. Sie begann am 11. 11. 1974 und endete im Tag nach Weiberfastnacht: die Affäre Böhm. Sobald, was bereits angekündigt ist, die Ermittlungen gegen Walter Böhm und seine Frau amtlich eingestellt werden, wollen der DGB und Böhm in einer Erklärung mitteilen, daß sie sich gütlich geeinigt haben.

Auf dem Höhepunkt der Düsseldorfer Karnevalssession, am vergangenen Freitag, unterzeichnete DGB-Chef Vetter einen Vertrag mit dem früheren Leiter des Bonner DGB-Verbindungsbüros. Darin wird juristisch bestätigt, was der DGB faktisch schon anerkannt. hatte: daß die fristlose Kündigung für Böhm nicht korrekt war. Dem hatte der DGB durch die Fortsetzung der monatlichen Gehaltszahlung (knapp 3500 Mark) bereits entsprochen.

Wie zu hören ist, bleibt Böhm auf der Gehaltsliste des DGB und auch in dessen Diensten, wobei die Art seiner Wiederbeschäftigung jedoch noch nicht geklärt ist. Böhm seinerseits will auf Schadenersatzansprüche gegen den DGB verzichten, dessen Vorsitzender Böhm mit dem Kanzlerspion Guillaume und sich selbst mit Willy Brandt verglichen hatte.

Der Vertrag kommt zumindest einem moralischen Schuldgeständnis des DGB gleich, der zwar fortgesetzt betont, daß Böhm auch ohne Spionageverdacht gekündigt worden wäre, Böhm aber gerade wegen des Spionageverdachts weiterbezahlen muß; denn die Aussichten Böhms, eine andere Position. außerhalb des DGB oder dessen Organisationen zu bekommen, waren in dem Augenblick zunichte, als er der Spionage verdächtigt wurde.

*

Bundespräsident Walter Scheel, von Amts wegen mit allen Orden bedacht, die der Staat vergeben kann, müht sich derweil um andere Prunkstücke. Er macht sich um die deutsche Kultur- und Kunstgeschichte verdient. Bei der hessischen Verwaltung für Schlösser und Gärten erwarb er als Leihgabe ein Prachtstück der deutschen Kunstschreinerei vom Ausgang des 18. Jahrhunderts, einen Schreibtisch, der in einem Besucherzimmer aufgestellt wurde. Nun ist er auf der Suche nach passenden Kupferstichen aus dieser Zeit: Stadtlandschaften oder Landschaftsansichten.

*