Trotz der Herstatt-Krise mit allen ihren Folgeerscheinungen war 1974 für die meisten Banken ein gutes Jahr. Das aus ihren Bilanzen herauszulesen, wird allerdings nicht immer einfach sein. Denn die Tendenz geht dahin, nur so viel an Gewinnen zu zeigen, wie für die Dividendenausschüttung nötig und für die Rücklagenbildung wünschenswert ist, um die Eigenkapitalbasis in einem ausgewogenen Verhältnis zur Bilanzsumme zu halten. Priorität hat eine ausreichende Risikovorsorge für das Kreditengagement. Hier vorzunehmende, vorsorgliche Einzel Wertberichtigungen haben zudem den Vorteil, zunächst nicht versteuert werden zu müssen.

Deshalb sagt der bei der Vereins-und Westbank AG, Hamburg, auf 20,56 (16,64) Millionen Mark gestiegene ausgewiesene Gewinn des Jahres 1974 nichts über die echte Ertragsbesserung aus. Da mit einer Rücklagenzuweisung von 4,5 Millionen Mark eine Eigenkapitalquote von 5,06 Prozent an der Bilanzsumme herzustellen war (und sie ist vergleichsweise sehr hoch), brauchte man für die Bildung weiterer offener Reserven nichts mehr zu tun. Und eine Dividendenerhöhung stand ohnehin nicht ernsthaft zur Debatte. Es gibt neun Mark je 50-Mark-Aktie.

Für die Qualität der Ertragsrechnung spricht, daß die Einnahmen aus dem Zinsgeschäft sowohl die Personal- als auch die Sachkosten gedeckt haben, hier also geradezu „klassische Verhältnisse“ herrschten. Danach sollen die Provisions- und sonstigen Einnahmen allein der inneren Stärkung der Bank dienen. Und das war 1974 bei der Mitte dieses Jahres aus der Vereinsbank in Hamburg und der Westbank AG hervorgegangene Bank der Fall.

Unter diesen Umständen waren die Fusionsschwierigkeiten finanziell gut zu überwinden. Trotz des Geschäftswachstums ist es gelungen, die Beschäftigtenzahl um vier Prozent zu vermindern. Hier zeigen sich bereits die ersten Rationnalisierungserfolge. Daß der Kurs der Vereins- und Westbank-Aktien bisher kaum an der Aufwärtsbewegung teilgenommen hat, müssen die Aktionäre verschmerzen. Im Aktionärskreis haben sich beträchtliche Verschiebungen ergeben. Das hat der Markt erst zu verdauen. K. W.