Hervorragend

Hans Reichel: „Hans Reichel“. Die zwei Stücke dieser Single-Platte können einen ziemlich lange beschäftigen. Im einen läßt sich der Gitarrist von einer Volksweise zu manchmal aufbrausenden Meditationen inspirieren, im anderen bietet er (mit seinem Toningenieur Joachim Ehrig) einen lautmalerischen Playback-Ulk dar. „Heimkehr der Holzböcke“. Vor allem hier zeigt Reichel, daß er eine sehr originelle Gitarrenklangfarbenpalette hat. Er ist ein guter Gitarrist, ganz sicher ein guter Musiker. (FMP, Berlin 10, Behaimstraße 4; S 4)

Hörenswert

Decameron: „Mammoth Spezial“. So heißt ursprünglich ein Gericht eines Rotterdamer Restaurants, für die fünf Engländer, ist es Anlaß, darüber – wie über Frieden, Liebe, Armut, Unschuld, Krieg, Gebet – zu reflektieren. Sie tun das mit einer individuellen Variante von Folk-Rock, musikalisch sehr vielfältig durchkomponiert, einfallsreich instrumentiert, sanft gesungen. Die interessanten Texte sind beigefügt. (Mooncrest; CREST 19)

Manfred Sack

Mittelmäßig

Johannes Brahms: „Klavierkonzert Nr. 1“. Abgesehen davon, daß in der Technik geschludert wurde – jedes plötzliche Fortissimo ist bereits eine Rille im voraus zu hören; daß die Aufnahmeleitung zu viel durchgehen ließ – in den Blechbläsern passieren immer wieder falsche Akzente, stechend-harte Einwürfe, manchmal sogar in unsauberer Stimmung; daß Hans Schmidt-Isserstedt sehr oberflächlich und farblos begleiten läßt: Alfred Brendel spielt dieses aus sehr heterogenen Emotionen heraus zu einem Empfindungskaleidoskop zusammengestellte Stück zwar technisch ohne Fehl, aber bis auf einen Hauch Nostalgie ohne Kälte und ohne Wärme, ohne die morbide Resignation jemandes, der mit seinen privaten und seinen kompositorischen Problemen nicht zu Rande kommt. (Alfred Brendel, Concertgebouw Orchester, Leitung: Hans Schmidt-Isserstedt; Philips 6500 623) Heinz Josef Herbort