Hervorragend:

„Céline und Julie fahren Boot“ von Jacques Rivette. Zwei Mädchen, die beide auch Alice heißen könnten, träumen sich in ein sonderbares Wunderland voller Schrecken, Schönheit und dunkler Ge-

heimnisse. Juliet Berto, die Zauberin, und Dominique Labourier, die Bibliothekarin, unternehmen imaginäre Expeditionen in ein altes Haus, in dem bleiche Gespenster ein melodramatisches Salonstück von Henry James. aufführen. Doppelungen, Spiegelungen, mannigfaltige Verschränkungen der Handlungs- und Realitäts-Ebenen vermitteln dem 192 Minuten langen Abenteuer- und Märchen-Film eine delikate Balance zwischen phantastischer Realität und realistischer Phantasie. Der Zuschauer dieser heiteren Horror-Welt muß sich aus einer wunderschönen Kollektion von Fragmenten, Zitaten und Vermutungen seinen eigenen Film schaffen. Auf seinem langen Weg zu einem neuen, freien Kino ist Jacques Rivette ein aufregendes Stück weitergekommen, (West III 15. Februar Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

„Den Aasgeiern eiskalt serviert“ von Don Sharp. Wer denkt sich nur immer diese fürchterlichen Verleihtitel aus? Der neue Film von Don Sharp, der 1962 den hervorragenden „Kuß des Vampirs“ inszenierte, heißt im Original schlicht „Callan“ und gehört zur Serie der seit John Le Carré erfolgreichen „grauen“ Agenten-Thriller. Mit gelegentlich sehr beeindruckender atmosphärischer Präzision schildert Sharp das miese Milieu der kleinen Killer, großen Schieber und mürrischen Bürokraten. Aber selbst der ebenso originelle wie einleuchtende Einfall, den unheroischen Alltag des von Skrupeln geplagten Callan mit martialisch lächerlichen Zinnsoldaten-Spielen zu konfrontieren, rettet den Film nicht.

„Klauen wir gleich die ganze Bank“ von Gower Champion. In Köln wird für diesen Film mit Hinweisen auf den Herstatt-Skandal geworben. Aber das ist schon das Lustigste an der grobschlächtigen Verfilmung von Donald E. Westlakes herrlichem Grotesk-Krimi „Bank Shot“. Selbst der eiserne George C. Scott macht den Eindruck, als sei er aus Versehen in den falschen Film geraten. Gower Champion, Vor zwanzig Jahren ein begabter Tänzer und Choreograph bei der MGM, serviert Westlakes skurrile Scherze mit der Grazie eines Vorschlaghammers.

Hans C. Blumenberg