Stuttgart

Baden-Württembergs CDU, mit 65 000 Mitgliedern der drittgößte Landesverband der Union, wird seiner Generalsekretäre nicht so recht frph. Nur anderthalb Jahre, nachdem er mit Vorschußlorbeeren von einem Parteitag in sein neues Amt gehievt worden war, hat der 36 Jahre alte Landtagsabgeordnete Dietmar Schlee den hochdotierten Posten in der CDU-Landesgeschäftsstelle an der Hohenheimer Straße in Stuttgart wieder aufgekündigt. Er will, so ließ er wissen, lieber Landrat in Sigmaringen werden.

Schlees Flucht in die Provinz ist nun schon der zweite Ärger, den die CDU Baden-Württembergs mit einem Parteigeneral hat. Schlees Vorgänger und Debütant auf diesem Chefsessel, der von Helmut Schmidt aus dem Verteidigungsministerium hinausgelobte Brigadegeneral a. D. Wolfgang Schall, hatte der Union zwar Spesenrechnungen, aber wenig Freude eingebracht. Konservativ bis ins Mark und mit wenig politischem Gespür ausgestattet, verfing er sich schon in den ersten Wochen in den Fußangeln, welche die Geschäftsführer der zu Bezirken degradierten CDU-Untergliederungen von Württemberg-Hohenzollern, Südbaden, Nordbaden und Nordwürttemberg ausgelegt hatten.

Mit Schlee, so dachte man an der Basis, werde alles anders. In dem nervenstarken Schaffer, der die innerparteiliche Opposition gegen den Regierungschef in der ehrgeizigen CDU-Landtagsfraktion gelernt hatte, erhoffte sich vor allem der linke Flügel (der Partei einen starken Faktor im Kräftespiel von Landesregierung, Landtagsfraktion und Landespartei.

Der Generalsekretär, vom Landesparteitag in einer Gründerlaune eigentlich als starker Stabschef an der Seite des Kommandierenden konzipiert, ist in diesem Spiel jedoch nur ein Tambourmajor, der zwar vorne steht und eine schöne Uniform anhat, der aber nur den Takt weitergeben darf, den der Dirigent anschlägt. Schlee baute sich eine teure Landesgeschäftsstelle auf und feuerte Schalls Pressereferenten und dessen Stellvertreter. Aber die eigentliche Parteiführung wird in Filbingers Staatskanzlei von den Beamten der Grundsatz- und der Presseabteilung geleistet.

In den knapp vier Jahren, da sich die CDU Generalsekretäre hält, hat es deshalb nie an Stimmen gefehlt, den hochdotierten Briefträger wieder abzuschaffen. Nur Filbinger denkt nicht daran, den Strohmann abzuschaffen. Bereits am 15. Februar soll auf Vorschlag Filbingers ein Nachfolger gewählt werden. Daß der Regierungschef darauf achten wird, daß wieder eine möglichst farblose Figur in die Parteizentrale einzieht, läßt sich daraus schließen, daß Filbinger bisher den völlig unbekannten 31jährigen Kreisgeschäftsführer seines Freiburger Wahlkreises, Gundolf Fleischer, ins Auge gefaßt hat. Am Dienstag voriger Woche billigte der CDU-Landesvorstand Filbingers Vorschlag. Jörg Bischoff