Die 29 Prozent Daimler-Benz-Aktien, die Franz Heinrich Ulrich für die Deutsche Bank zum Preis von zwei Milliarden Mark von der Friedrich Flick KG gekauft hat, müssen bis zum Jahresende wenigstens zum Teil wieder verkauft sein. Andernfalls müßte Eberhard Günther, der Präsident des Kartellamts, Herrn Ulrich peinliche Fragen stellen. Er dürfte es nicht zulassen, daß die Deutsche Bank bei Daimler-Benz mit fast 58 Prozent die absolute Mehrheit behält.

Ulrich möchte die gesamten 29 Prozent anderswo placieren. Da er die Aktien zu einem Preis gekauft hat, der über dem Börsenkurs liegt, sind Käufer nicht so leicht zu finden. Denn natürlich will die Deutsche Bank zum gleichen Preis verkaufen. Als mögliche Käufer schälen sich eigentlich nur Kapitalsammelstellen heraus. Aber dürfen die Disponenten von Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds das Geld ihrer Kunden in Papieren anlegen, deren Rendite unter drei Prozent liegt? Nach einigen Gesprächen mit solchen Befehlshabern über Versicherungsmilliarden ist deutlich geworden, daß die Frage mit Ja beantwortet werden muß. Die Deutsche Bank wird in den großen Kapitalsammelstellen des Landes gesprächsbereite Partner finden.

Eine Hürde ist freilich noch zu nehmen. So niedrig rentierliche Papiere sind für Versicherungsgesellschaften nur interessant, wenn sie den Ertrag durch die Steuervorteile des Schachtelprivilegs aufbessern können. Denkbar wäre die Gründung einer Schachtel-Holding, die die 29 Prozent Daimler-Benz-Aktien übernimmt. An ihr dürfen sich aber höchstens vier Versicherungsgesellschaften beteiligen, die dann für je ein Viertel das Schachtelprivileg erhalten. Aber welche vier Versicherungsgesellschaften könnten je 500 Millionen Mark dafür lockermachen? Vielleicht läßt das Bundesfinanzministerium in diesem Fall mit sich reden und gewährt Steuervorteile auch dann, wenn sich mehr als vier Versicherungsgesellschaften an der Übernahme der Aktien beteiligen.

R.H.