Banken und Sparkassen werben wieder um Kreditkundschaft. Die Zeit der Abschreckungskonditionen ist längst vorbei. Das Geld wird täglich billiger. Dennoch stößt die Ausweitung des Kreditvolumens auf Schwierigkeiten. Es zeigt sich, daß die private Kundschaft auch durch günstige Kleinkredite und Anschaffungsdarlehen nicht zu einer Neuverschuldung zu bewegen ist. Im Gegenteil – es wird mehr gespart, eine in schwierigen Zeiten übliche Reaktion.

Aber auch die Firmenkundschaft zeigt den Kreditofferten ihrer Banken die kalte Schulter. Sie spekuliert auf eine weitere Zinssenkung und wartet deshalb, ab. Mahnungen, kurzfristige Kredite jetzt langfristig zu konsolidieren, fruchten wenig, solange die Aussicht besteht, das angebotene Geld später billiger zu bekommen. Ähnliches haben wir Vor ein paar Jahren-schon einmal erlebt. Als dann aber der Zinstrend umschwenkte, war es nur wenigen möglich, sich langfristig zu vernünftigen Konditionen zu verschulden.

Dieses Risiko will der holländische Philips-Konzern offenbar nicht laufen. Er legt eine 100-Millionen-Mark-Anleihe zum Nominalzinssatz von 8 8/8 Prozent auf. Deutsche Gesellschaften zögern ihre Anleihepläne noch hinaus. Ihnen schwebt ein, Nominalzinssatz von 8 oder 8 1/3 Prozent vor. Aber ob es sich wirklich lohnt, um Bruchteile eines Prozentes das Risiko zu laufen, auch in dieser Zinssenkungsperiode wieder nicht zum Zuge zu kommen? Die Finanzchefs müssen lernen, Kapital dann aufzunehmen, wenn es am Markt erhältlich ist. K. W.