Von Rudolf Herlt

Zum erstenmal in ihrer Geschichte hat sich die Deutsche Bundesbank auf eine Art Gelübde eingelassen. Karl Klasen und Otmar Emminger wollen gemeinsam mit den 18 Mannern vom Zentralbankrat die Geldmaschine so steuern, daß zwei Ziele erreicht werden. Durch die Rohrleitungen unserer Wirtschaft soll nicht zu viel Geld gepumpt werden, damit es gelingt, die Preissteigerungsraten schrittweise abzubauen; es soll aber auch nicht zu wenig Geld zirkulieren, damit die Erholung der Konjunktur nicht am Geldmangel scheitert.

Die Bundesbank ist vor dieser geldpolitischen Gratwanderung nicht zurückgeschreckt. Sie hat mutig verkündet, wieviel neues Geld sie für das Jahr 1975 aus der Geldmaschine in den Wirtschaftskreislauf pumpen will. „Aus heutiger Sicht“, ließ der Zentralbankrat mit Zustimmung der Bundesregierung wissen, „könnte ein Wachstum der Zentralbankgeldmenge im Jahresverlauf 1975 um etwa acht Prozent als stabilitätspolitisch vertretbar erscheinen, wobei indessen beachtet werden muß, daß kurzfristig kein enger Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Sozialprodukts und der Zentralbankgeldmenge besteht.“

Die Statistik (siehe Tabelle) bestätigt den zweiten Teil des Satzes. Sie zeigt aber auch, daß eskurzfristig keinen direkten Zusammenhang zwischen der Preissteigerungsrate und der Zentralbankgeldmenge gibt. Trotzdem haben die Männer vom Zentralbankrat gute Gründe, die Versorgung der Wirtschaft mit Geld vorsichtig zu steuern.

Es gibt eine ganze Schule von Nationalökonomen, die darauf schwören, daß ein inflationsfreies Wachstum am sichersten dadurch zu erreichen sei, daß die Währungsbehörden die Geldmenge von Jahr zu Jahr nur um einen festgelegten Prozentsatz steigen lassen. Der Vater dieser Monetaristen-Familie ist der Chicagoer Professor Milton Friedman, der nach intensiven Studien der Wirtschaftsgeschichte feststellte: „Beim Stand der heutigen Erkenntnisse wäre ich im Augenblick für eine gesetzliche Regelung, die die Währungsbehörden anweist, eine festgesetzte Wachstumsrate für die vorhandene Geldmenge zu erzielen.“

Gegen diese Lehre sind viele Einwände vorgetragen worden. Zwei der wichtigsten waren: 1. Es gibt keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisentwicklung.

2. In einer Volkswirtschaft, in der sich jeder über die Grenzen ins Inland kommende Dollar automatisch in Inlandswährung verwandelt, hat die Zentralbank die Herrschaft über die Versorgung der Wirtschaft mit Geld verloren.