Von Rainer Frenkel

Opel-Sprecher Ihrig diagnostizierte "eine gewisse Kauflust", Ford-Chef Lutz "glänzende Verkaufserfolge" für Escort und Taunus (siehe Interview), und Audi-NSU-Pressechef Höland schnupperte "Frühlingsluft, ohne Zweifel". Kommt der Auto-Frühling doch nicht erst im Herbst, wie vielfach vermutet?

Jedenfalls sind die Hersteller einig: Der Januar verlief in diesem Jahr freundlicher als 1974. Das aber besagt so gut wie nichts. War doch der Vergleichsmonat geradezu katastrophal schlecht. So fallen denn auch die Urteile der Hersteller über den vorsichtigen Stimmungswandel der Kundschaft höchst zurückhaltend aus.

Selbst in Unternehmen wie Daimler-Benz oder BMW, wo die Inlandsaufträge der ersten Wochen dieses Jahres fast so reichlich ausfielen wie in früheren besseren Zeiten, hat man eine klare Tendenzwende noch nicht ausgemacht. Man spricht auch da wie bei den übrigen Wettbewerbern lediglich von einer Fortsetzung jenes Trends, der schon seit einigen Monaten vom Allerschlimmsten wegführt.

Diese vorsichtigen Auskünfte richtig zu deuten, ist für den Außenstehenden fast unmöglich. Die Wortwahl der Befragten ist heute mehr denn je bestimmt von strategischen Erwägungen. Den einen scheint Euphorie angesichts laufender Tarifverhandlungen nicht angezeigt, die andern halten Optimismus für ein geschäftsbelebendes Element.

Sicher ist: Eine Reihe von neuen Modellen – VW Golf, Audi 50, Ford Escort – haben, wie das bei neuen Autos so ist, am Markt starkes Interesse gefunden. Das Winterwetter hatte, weil es so milde war, nicht die gewohnte abschreckende Wirkung. Dafür haben sich manche Käufer rasch zum Erwerb eins neuen Vehikels entschlossen, weil sie – mit Recht – weitere Preiserhöhungen befürchteten. All solche stimulierenden Einflüsse aber könnten Strohfeuer sein, rasch an Brillanz verlieren. Zumal dann, wenn die erwarteten Verteuerungen, wie bei Daimler-Benz bereits geschehen, wirklich eintreten.

Und darüber lassen alle in der Bundesrepublik produzierenden Autohersteller keinen Zweifel aufkommen. Selbst VW und Audi NSU, die in diesem Jahr schon einmal zugelangt haben, deuten mit der gebotenen Zurückhaltung neue "Anpassungsmaßnahmen" an. Sie werden damit allenfalls noch so lange warten, bis die laufenden Tarifverhandlungen abgeschlossen sind.