Michael E., also Mike, hatte schon mit sechzehn auf den Putz gehauen, immer zusammen mit Manni und Siggi, und dann wurde er noch von Rosi angespitzt, die ewig unheimlichen Wirbel machte. Mike war nun echt auf Kopfnüsse spezialisiert, und wen er gefällt hatte, der kriegte dann noch die Stiefel, ins Gesicht, logisch. Wegen Körperverletzung, versuchter Erpressung, Diebstahl, Sachbeschädigung und was nicht alles, also Mike fing sich ein volles Ding an Jugendstrafe ein, aber die machte er mit links ab.

Inzwischen hatte Rosi Manni angespitzt, und der mußte nun zusammen mit Siggi Jungens anpesen, die mit einer Aktenmappe herumliefen, wo doch nur belegte Brote drin waren oder Puppen mit mörderischen Schläuchen bei sich hatten, Rosi hatte nämlich was gegen zuviel Holz vor der Tür, also Riesenbusen. Manni und Siggi gifteten die gleich mit dem Messer an, und dann kam die Stiefelarie, aber hundertprozentig, und Rosi wirbelte da mit rum, und Männer mit Hüten und Aktenmappen, die sich dann stark machen wollten, hielten auf die Messer unheimlich still.

Mike kam dann ja raus und mimte wieder auf einer Baustelle von wegen Bier holen und Buden aufräumen und so. Dann ging Manni ab in den Knast. Siggi wurde ewig geschont, weil er einen auf Humpelmann machte, aber ehrlich, da war irgendwas weich im Knie, also weiche Knochen.

Seitdem Mike solange im Jugendknast herumgehangen hatte, sah er ewig rot, wenn er seine Kopfnüsse austeilte, Mike fand dann einfach kein Ende, und Siggi ging dann flitzen, aber Rosi, die stand drauf. Rosi, bei der sich Mike nun ewig voll reinknien konnte, war spitz auf ihre Mutter, die einen Türken hatte, den dritten schon, und auf die Ärzte, die ihr alles mögliche anhängen wollten, sogar was mit der Lunge. Ünd Mikes Mutter war mit ihrem Typ wieder nach Köln gefahren, und die Wohnung war ja nun für Mike da.

Rosi schleppte plötzlich Kerle mit in Mikes Wohnung, die auf der Straße auf sie losgemacht hatten, und die wurden erstmal geplündert und dann mit der Kopfnußarie voll bedient. Siggi spannte in der Küche. Und wenn Schwule Mike Annoncen machten, gab es sämtliche Arien, bevor die Nummer losgehen sollte, und dann hielt Mike noch die Hand auf.

Seitdem er wieder im Bau ist, weiß er aber nicht, wo Rosi ist und Siggi, es meldet sich niemand, und seine Mutter bleibt mit ihrem Typ in Köln. Die könnte ja mal schreiben, aber da kommt nun gar nichts, von keinem. Am Geländer seiner Station hängt er herum, nicht nur er allein. Die da herumhängen, gehören zum gewohnten Bild, das sind auch die Daüerfernseher, die stur alles aus dem Kasten mitnehmen, aber auch alles, und in den Beurteilungen steht dann eben: „Passiv und kontaktarm“, weil sie, wie es da noch heißt, am Vollzugsprogramm vorbeileben. Und kommt einer Mike so auf die Sanfte mit Vereinsamung und daß man doch mitmachen muß, wird er gleich spitz auf den und denkt dann, der ist schwul. Und sagt sein Stationsbeamter: „Du bist ein total negativer Typ, bleib doch meinetwegen am Geländer hängen“, dann nickt er noch.

Und dann schnitt er sich in den Daumen, der Schnitt reichte fast bis an die Pulsader, aber Mike fand seinen Stationsbeamten nicht, er lief einen Stock tiefer, aber der Stationsbeamte da unten frühstückt gerade und sagte: „Ich bin nicht zuständig, das weißt du doch.“ Mike rannte wieder nach oben. Zuständig für eine Reviermeldung ist eben der Stationsbeamte. Mike band sich den Daumen ab, bis sein Stationsbeamter kam. Und jetzt denkt man, Mike wollte an seine Pulsader ran, aber Mike denkt doch nicht an Selbstmord, er hängt am Geländer herum. Ben Witter