Max Grundig ist wieder „Herr im Haus“. Er entließ seinen Vorstandsvorsitzenden, den er vor vier Jahren geholt hatte.

Nur fünf Minuten hatte Max Grundig für den Vorstandsvorsitzenden der Grundig AG, Hans-Heinz Griesmeier, Zeit. Dann wußte Griesmeier, der erst 1971 von Grundig in das Fürther Unternehmen geholt worden war, daß er nicht mehr erwünscht war. Künftig will Max Grundig die Macht im größten deutschen Konzern für Unterhaltungselektronik wieder für sich allein haben.

Griesmeier bestreitet, daß es zwischen ihm und Grundig Differenzen gegeben habe. Grundig habe ihm eine Trennung „in Frieden und Freundschaft“ vorgeschlagen. Doch der Hinauswurf des erfolgreichen Managers geriet ins Zwielicht – Griesmeier verwahrt sich dagegen, daß man seine Leistungen nachträglich herabzusetzen versucht („bösartig und diffamierend“).

Als Max Grundig den Volkswirt und gelernten Elektrotechniker Griesmeier, der im oberfränkischen Kronach als Generaldirektor der Loewe Opta GmbH, Berlin, wirkte, nach Fürth holte, schien der Nachfolger des Selfmademannes festzustehen. Grundig selbst bekundete immer häufiger Unlust an der aufreibenden Arbeit als Lenker des Konzerns. „Ich denke nicht daran, bis an mein Lebensende zu schuften“, erklärte er Anfang 1971, als er die Umwandlung seiner Grundig Werke GmbH in eine Aktiengesellschaft vorbereitete.

Max Grundig, der als Unternehmer immer gewohnt war, daß man seinen Befehlen folgte, war damals offenbar entschlossen, dem neuen Mann mehr Kompetenzen zu überlassen. Als aber Gerüchte auftauchten, Grundig wolle Teile seines Unternehmens veräußern, pochte er mit einer Presseerklärung „in eigener Sache“ auf seine Kompetenzen. Er sehe „keine Veranlassung, in den nächsten Jahren das Prinzip der persönlichen Entscheidungsfreiheit zu verlassen“.

Diesem Grundsatz folgte der Unternehmer, der in den vergangenen Jahren ständig kränkelte, denn auch unbeirrt: Er engte Griesmeiers Entscheidungsspielraum durch eine bei deutschen Aktiengesellschaften unübliche Besonderheit ein. Auf dem Umweg über ein „Präsidium“, dem unter Vorsitz des Aufsichtsratsvorsitzenden Grundig zwei Aufsichtsrats- und vier Vorstandsmitglieder angehörten, unter ihnen Griesmeier selbst, blieb er der „Herr im Haus“. Nachdem er Griesmeier gefeuert hatte, will er den Posten eines Vorstandsvorsitzenden vorerst nicht mehr besetzen.