DIE ZEIT

Wüste, kein Weizen

Auf der Welternährungskonferenz von Rom hat es im November kein Hoffnung spendendes Wort der reichen Ölstaaten für 400 Millionen Verhungernde in der Vierten Welt gegeben.

Opfer ohne Sinn

Nach 145 Tagen haben die Baader-Meinhof-Häftlinge ihren Hungerstreik abgebrochen. Das enthebt Justiz, Politiker und Vollzugsmediziner fürs erste der Notwendigkeit, die in aller Breite begonnene Diskussion über das Für und Wider der Zwangsernährung von Gefangenen einer Entscheidung zuzuführen.

Waldheim im Kreuzfeuer

Was kann Kurt Waldheim dafür, daß er so schwach ist? Viel mehr als der Vereinten Nationen höchster Protokollbeamter ist der UN-Generalsekretär nun einmal nicht – einer Weltorganisation, die ohne Macht ist.

Trampeln und Trompeten

Kein Zweifel, die Errichtung des Berufsbildungszentrums in West-Berlin ist rechtens. Fraglich ist bloß, ob immer klug sein muß, was sich einer schlau ausdenkt.

Tänzer auf allen Hochzeiten

Es kommt nicht von ungefähr, daß sich sein Name vielen Amerikanern vor allem mit einer Gesetzesvorlage eingeprägt hat, dem „Jackson Amendment“.

Eine Frau gegen müde Männer

Vor zwölf Jahren wurde Sir Alec Douglas Home noch durch Kulissenklüngel von Männerklubs zum Tory-Chef ernannt. Vor zehn Jahren waren es dann zum erstenmal die Stimmzettel der Abgeordneten, die den neuen Mann – Edward Heath – an die Spitze stellten.

Ungeduld der Militärs

Zehn Monate nach dem unblutigen Militärputsch, der das Regime Caetano in wenigen Stunden hinwegfegte, haben Portugals junge Offiziere die Geduld verloren.

Zeitspiegel

In England machen derzeit die von der Sunday Times auszugsweise veröffentlichten Tagebücher des gestorbenen Labour-Politikers Richard Crossman Furore.

Wünsche und Wirklichkeiten

Der Gedanke liegt nahe: Wenn die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion über Abrüstung verhandeln, Bundesrepublik und DDR einen Grundlagenvertrag schließen, Nato und Warschauer Pakt Möglichkeiten der ausgewogenen Truppenreduzierung prüfen, dann müssen auch die "wirtschaftlichen Organisationen" Europäische Gemeinschaft (EG) und Comecon oder Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) ihre Beziehungen zueinander normalisieren.

Berlin-Status: Ein dritter deutscher Staat?

Die Einwände der Sowjetunion gegen die Errichtung des europäischen Zentrums für Berufsbildung sind kein isolierter Vorgang. Sie sind Teil einer durchaus nicht neuen, aber in jüngster Zeit wieder offensiv verfolgten Politik, West-Berlin in die Rolle eines dritten deutschen Staates zu drängen.

In Eritrea fallen die Würfel

Äthiopien zuerst.“ „Äthiopia tigdem.“ Die Parole, an die sich die revolutionären Offiziere in Addis Abeba immer noch hartnäckig klammern, klingt wie blanker Hohn.

Ein Krieg ohne Sinn und Ende

In Kambodscha ist die Regierung nicht stark genug, um zu gewinnen, und nicht schwach genug, um zu verlieren

Reißt die Nato-Flanke auf?

Den atlantischen Verbündeten, die wie gebannt auf den Nahen Osten starren und jeden Tag die sowjetischen Kriegsschiffe im Mittelmeer zählen, droht der Verlust ihrer Flankendeckung an den Meerengen des Bosporus.

Ende des Hungerstreiks

was der streik als die letzte waffe unserer gefangenen für die Vermittlung, mobilisierung, Organisation antiimperialistischer politik hier erreichen konnte, hat er erreicht, in seiner eskalation kann sich keine neue qualität des kampfes vermitteln.

Kissingers letzte Mission in Nahost?

Ungewiß wäre nach einem solchen vorerst noch nicht erwarteten Mißerfolg dann aber nicht nur die Zukunft des israelischen Regierungschefs Rabin und des ägyptischen Staatschefs Sadat – auch die Gefahr eines neuen Krieges wäre bedrohlich gewachsen.

Portugal: Was die Kommunisten wollen

In Portugal hat die Kommunistische Partei (PKP) soeben ihre grundsätzlichen Vorstellungen für die Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung veröffentlicht.

Auf Millionen wartet der Tod

Nach Ansicht des Ausschusses ist in den kommenden Jahren der Hungertod für Millionen von Menschen in Asien unvermeidlich, wenn dieser Gefahr nicht durch ein sofortiges Notstandsprogramm und eine völlige Änderung der Entwicklungshilfepolitik auf lange Sicht begegnet wird.

Das Ende einer Affäre

Eine Affäre hat ihr Ende gefunden. Sie dauerte genau; eine karnevalistische Session und könnte eine Posse sein, hätte in ihr nicht der Ruf eines Mannes, das Ansehen einer mächtigen Organisation und die Glaubwürdigkeit des Verfassungsschutzes und der Bundesanwaltschaft nicht so gelitten.

An den Grenzen des Rechts

ZEIT: Herr Professor Leibholz, Sie waren seit 1951, seit der Gründung des Gerichts, bis 1971 Richter am Bundesverfassungsgericht.

Wolf gang Ebert: Der erste Arbeitslose

Wer würde den ersten echten Arbeitslosen, keinen Kurzarbeitet, leibhaftig zu Gesicht bekommen? Wie würde er aussehen (bleich?), wie angezogen sein (zerfranste Hosen?).

Appell an Apel

Daß petzt aller Ärger beim amtierenden Finanzminister abgeladen wird, obwohl der nur einer von 552 Abgeordneten ist, muß ich hinnehmen“, sagte Bundesfinanzminister Hans Apel vorige Woche in einem Gespräch mit Michael Jungblut und Diether Stolze (DIE ZEIT Nr.

Alte Marschrichtung

Die Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein können aufatmen. Vier Jahre brauchte es, bis der parteiinterne Streit mit Lübecker Genossen vom sozialdemokratischen Informationsbrief als „gütlich beigelegt“ gemeldet werden konnte.

Politik mit Paukenschlag

Frankfurt Für den hessischen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden des SPD-Bezirks Hessen Süd, Albert Osswald, war die Welt wieder heil.

Küche blieb kalt

In München beginnt der Prozeß gegen die Kidnapper der Wienerwald-Tochter Evelyn Jahn

Flucht aufs Land

Baden-Württembergs CDU, mit 65 000 Mitgliedern der drittgößte Landesverband der Union, wird seiner Generalsekretäre nicht so recht frph.

Doppelstrategie von rechts

Sollte es zu dem Zweck veröffentlicht worden sein, Biedenkopf als allround-Politiker vorzustellen und ihn als theoretischen Anreger der CDU auszuweisen, so hat das Buch sein Ziel verfehlt.

Absage an den Wunderglauben

herausbringt, dann kann ihm das Interesse vieler Beobachter und Leser sicher sein. In der Tat gibt diese Schrift, entstanden aus der Beschäftigung mit aktuellen Tagesproblemen, Auskunft über Motivationen und Zielsetzungen der derzeitigen amtlichen Wirtschaftspolitik.

Eine Bombe der Ruhe

Über dem peinlichen Streit um die Dissidenten, Emigranten, die vertriebenen Autoren, die von gewissen Leuten hier wie eine Beute vorgezeigt und herumgereicht werden, vergißt man leicht, daß sie selbst immer wieder die Oberflächlichkeit des westlichen Publicity-Geschäfts betonen.

Stift als Waffe

Er hat die Statur eines Holzfällers, den melodischen Singsang eines Elsässers, das blitzschnell funktionierende Gehirn einer IBM-Maschine.

Zeitmosaik

Für die Verleihung kommen in erster Linie Persönlichkeiten in Betracht, die im Geiste Schillers durch ihr gesamtes künstlerisches Schaffen oder durch ein einzelnes Kunstwerk von bedeutendem Rang dem kulturellen Fortschritt in hervorragender Weise gedient haben.

Reden wir noch Deutsch miteinander?

Als vor einigen Monaten hier vom 7..........................................................................................

Filmtips

heimnisse. Juliet Berto, die Zauberin, und Dominique Labourier, die Bibliothekarin, unternehmen imaginäre Expeditionen in ein altes Haus, in dem bleiche Gespenster ein melodramatisches Salonstück von Henry James.

An die lange Leine

Frieder Naschold macht sich da nichts vor. Der Rektor der Universität Konstanz steht auf dem Dach seiner Hochschule, auf den Höhen des Gießbergs, blickt bekümmert über den Bodensee und sorgt sich: „Eine ausgesprochene Schlechtwetterlage für die Hochschulpolitik.

Die neue Schallplatte

Hans Reichel: „Hans Reichel“. Die zwei Stücke dieser Single-Platte können einen ziemlich lange beschäftigen. Im einen läßt sich der Gitarrist von einer Volksweise zu manchmal aufbrausenden Meditationen inspirieren, im anderen bietet er (mit seinem Toningenieur Joachim Ehrig) einen lautmalerischen Playback-Ulk dar.

Zukunft ungewiß

An Hilfsbereitschaft fehlte es nicht: Nach der Trauerfeier für den Festivalleiter Will Wehling forderte Walther Schmieding die anwesenden Journalisten auf, sich für den Fortbestand der Westdeutschen Kurzfilmtage einzusetzen, und der Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann bot der Stadt Oberhausen an, in diesem Jahr das Festival kommissarisch zu leiten.

Kunstkalender

Daß Grützke seine eigenwillige barockisierende Realismuskonzeption geduldig und konsequent vorantreibt, jenseits der etwas albernen Harlekinaden, die er zusammen mit seinen Freunden von der „Schule der Neuen Prächtigkeit“ gelegentlich inszeniert, zeigen seine neuen Arbeiten: Pastelle und Graphik, die jetzt (gleichzeitig, aber an verschiedenen Orten) zu sehen sind.

Katalog von Mustermenschen

Ein junger Schwarzer aus Harlem wird verdächtigt, eine weiße Frau vergewaltigt zu haben, und muß ins Gefängnis. Verzweifelt versuchen seine Freundin, die ein Kind von ihm erwartet, und ihre Eltern, den Unschuldigen frei zu bekommen.

Kritik in Kürze

"Marxismus und Informatik", von Jean Claude Quiniou. Die Studentenrebellion der sechziger Jahre ließ die naturwissenschaftlichen Fakultäten rechts liegen.

Rilkes Testament

Wer im Jahr der hundertsten Wiederkehr von Rainer Maria Rilkes Geburtstag die Erstveröffentlichung einer aus 66 großformatigen Blättern bestehenden Handschrift mit dem vom Dichter gewählten Titel „Das Testament“ liest, erwartet poetische oder private Enthüllungen oder doch ein Vermächtnis.

Was ist los mit dem Ballett?

Wäre das nicht ein wunderlicher, aber auch bewegender Theatertraum: Der junge Regisseur Peter Stein hätte nach Anfangserfolgen einfach resignierend aufgegeben, der alte Fritz Kortner dagegen statt seiner expressiven Dramenmonumente einmal ganz gelassen, souverän einen schwierigen sperrigen Klassiker inszeniert.

Zehn-Minuten-Höhepunkt

Der Film dauerte zehn, Minuten: Ein Mann mit wallender Mähne, großen Augen und höchst musikalischen Ohren sitzt am Flügel und beschreibt Notenpapier.

Salome in Großaufnahme

Oper auf dem Fernseh-Bildschirm – ein leidiges Problem von Anfang an. Was sich üblicherweise auf der Bühne an Haupt- und Staatsaktionen oder buffonesken Umtrieben als Aktion im Raum ereignet, soll jetzt auf kleiner Fläche und in den meisten Fällen schwarzweiß statt farbig sich wieder finden.

Heiter weiter

Die erste Talk-Show, die mir Spaß gemacht hat. Spaß auch dann noch, wenn die "Live" – Sendung aus dem Bremer Studio durchhing.

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