Der größte deutsche Kaffeeröster muß um seine Spitzenstellung bangen

Von Gunhild Freese

Der Zufall führte die Regie: Als die Bremer Kaffeerösterei Joh. Jacobs & Co. GmbH Ende Januar neue und alte Kaffeesorten in einer neu gestalteten Verpackung offiziell vorstellte, machte die Konkurrenz die Schlagzeilen. Sie hatte die Preise für ihre Bohnen gesenkt. Damit freilich waren auch die Bremer Kaffeemanager zum Handeln gezwungen. Denn wie in kaum einem anderen Konsumgütermarkt findet der Konkurrenzkampf am Markt für Röstkaffee über den Preis statt.

Die Gründe für den harten Wettbewerb: Der deutsche Kaffeemarkt stagniert, weil die Bundesbürger ihren Kaffeekonsum in den letzten Jahren nicht mehr ausgedehnt haben. Marktanteile sind somit nur noch über den Verdrängungswettbewerb zu erzielen. Die schärfsten Konkurrenten in der Marktschlacht mit den braunen Bohnen sind zwei hanseatische Kaffeefamilien: Jacobs in Bremen und Herz mit ihrer Kaffeefirma Tchibo in Hamburg.

Dabei treffen die beiden Kaffeefirmen nicht einmal direkt aufeinander. Während nämlich die Bremer Röster ihren Kaffee ausschließlich über rund 120 000 Einzelhändler und Warenhausfilialen verkaufen, bietet Tchibo-Kaffee, nach dem Krieg zunächst überwiegend im Kaffeeversand tätig, seine Bohnen in 500 eigenen Filialen und rund 3500 Frischdepots – vorwiegend Bäckereien – an. Der Kampf um Marktanteile, so das Urteil der Branche, hat in den letzten Jahren den Hamburgern kleine Geländegewinne gebracht. Rund 22 Prozent Marktanteil fielen 1974 an Tchibo, knapp 19 Prozent an Jacobs. Die Bremer selbst freilich geben ihren Marktanteil mit 22 Prozent, den von Tchibo mit 21 Prozent an.

Gewinn halbiert

In der Tat hatten die Bremer in den letzten Jahren mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, die zum Teil aus dem harten Konkurrenzkampf am Kaffeemarkt, zum Teil aber auch aus eigenen Managementfehlern herrühren. Die Folge: Die Umsätze wuchsen nur noch in Höhe der Preissteigerungen – letztes Jahr um rund fünf Prozent auf 920 Millionen Mark. Und die Gewinne waren in den letzten beiden Jahren sogar rückläufig. 1973 war der Gewinn um rund zehn Millionen auf 29 Millionen Mark gesunken, vergangenes Jahr hat er sich nahezu halbiert.