Die für Abkürzungen weltweit zuständige ISO in Genf will es nicht länger dulden, daß wir Deutsche, wenn wir im Auto über die Staatsgrenzen rollen, mit einem schlichten „D“ herumfahren. Diese „Internationale Organisation für Normung“ sagt uns dabei zu, es dürfe etwas mehr sein. Wir in der Bundesrepublik haben die Wahl zwischen „DE“ und „DEU“. Unsere transelbischen Brüder hingegen dürfen ihr „D“ verdoppeln – DD – oder jene offiziellen drei Staatsbuchstaben „DDR“ verwenden, auf die sie seit Jahren und Jahren so unbeschreiblich viel Wert legen.

Nun besteht wahrscheinlich die Möglichkeit, mit jener Institution in Genf, die sich selber die klangvolle Abkürzung ISO zulegte, in aller Güte sich darüber auseinanderzusetzen, daß es nicht angeht, stets und ständig die Transeibier bevorzugt zu behandeln.

In unseren Falle leuchtet es wohl jedem ein, daß ein Doppel-D auf dem Nummernschild besser ist als ein D mit einem angehängten E: Zwei energische Luftstöße gegenüber einem einzigen Stoß, der durch den anschließenden Vokal (E) noch gemildert, wenn nicht sogar gelähmt wird.

Sicherlich bat sich die ISO gesagt: Wenn der eine Teil des einst unteilbaren Deutschlands drei Buchstaben kriegt, muß auch der andere Teil drei kriegen; sonst gibt es deutschen Krach (Querelle Allemande). Wir meinen jedoch: Da hilft nichts. Zwar ist „DEU“ musikalisch klangvoller. Im übrigen aber ist es reiner Schwindel, denn wenn ich „EU“ sage, kann ich auch gleich „E“ sagen. Mit anderen Worten, ich bin um einen Buchstaben betrogen.

Unter diesen Umständen wäre es nur recht und billig, die ISO billigte uns Bundesbürgern einen Konsonanten mehr zu, so daß wir nicht nur auf vier Buchstaben sitzen, sondern mit ihnen auch herumfahren können. DEUS – wie wäre es damit? Das klingt gut, sieht nach etwas aus, kommt aus einer wirklich guten, alten internationalen Sprache und entspricht obendrein der Seelenlage manchen Autofahrers. Denn wie oft denke ich, wenn ich einen lieben Landsmann aus seinem Auto aussteigen sehe, an den klassischen Satz: „Deus ex machina.“