Neckermann geht mit Superlativen großzügig um: Für die Frankfurter ist die Kreuzfahrt „der beste Urlaub“, Sciiffe sind Spitzenhotels, und was auf ihnen geboten wird, ist schlichtweg „exzellent“, seien es nun Küche, Diskothek oder das Leben an Bord überhaupt. Die Konkurrenz geizt in ihren neuen Kreuzfahrtprospekten natürlich auch nicht mit euphorischen Beschreibungen. Wer zum ersten Male vor der Entscheidung steht, den Urlaub auf hoher See zu verbringen, kann mit diesem Schwall von Lobpreisungen des maritimen Ferienvergnügens nicht allzuviel anfangen.

Für den kommenden Sommer ist das Angebot umfangreich wie eh und je. Keine Spur von Flaute; neben vielen guten alten Bekannten, haben die Veranstalter für die Saison sogar eine ganze Reihe Newcomer angekündigt. Die Wahl fällt schwer, deshalb soll eine kurze Checkliste die Entscheidung erleichtern helfen.

Grundsätzlich werden Kreuzfahrten in zwei Varianten angeboten: Als kombinierte Schiffs-/Flugreise, im Fachjargon fly and cruise genannt, oder als Kreuzfahrt von einem nahegelegenen Hafen aus. Für deutsche Urlauber stehen Bremerhaven, Kiel, Hamburg, Rotterdam, Amsterdam, Genua und Venedig zur Wahl – die meisten Veranstalter bieten für diese Häfen auch Anreise Arrangements per Bahn oder Flugzeug an. Nach Piräus, dem Hafen von Athen, ist die Fluganreise bereits unerläßlich, es sei denn, man verwendet ein paar Tage der kostbaren Urlaubszeit für die Anreise. Und wen es in die Ferne zieht: Auch Vancouver, Singapur, Miami oder Sydney – um nur ein paar Ziele zu nennen – stehen als Ausgangshäfen für eine Seereise zur Wahl.

Im Sommer, wenn selbst über dem Nordmeer meistens die Sonne lacht, können sich auch Seekrankheitsgefährdete den nahegelegenen Revieren anvertrauten. Auf die beiden Fahrtgebiete Nordland, mit Ostsee, und Mittelmeer, mit Schwarzem Meer, entfallen in den Sommermonaten über 80 Prozent der auf dem deutschen Urlaubsmarkt angebotenen Kreuzfahrten.

Zweites Unterscheidungsmerkmal für Kreuzfahrten: port hopping oder Seetörn mit Unterbrechungen. Beim port hopping dient das Schiff in erster Linie als Transportmittel, den Passagieren wird täglich ein neuer Hafen präsentiert, mit der Möglichkeit, per Landausflug eine Menge Land und Leute in kurzer Zeit zu konsumieren. In der Ägäis wird das port hopping zum Island hopping. Der Seetörn mit Unterbrechungen entspricht der Kreuzfahrt alter Schule. Sie bietet sich für Passagiere an, denen es Spaß macht, sich mit Bordbekanntschaften zu vergnügen. Sei es tagsüber beim Sonnenbaden, am Swimmingpool, mit Shuffle board oder abends mit angemessener Garderobe beim Social life mit Tanz und zahlreichen neckischen Spielchen. Diese grobe Unterscheidung soll natürlich nicht den Eindruck erwecken, daß beim port- oder island hopping nächtens nicht auch High life in allen Sälen geboten würde.

Die Entscheidung nach diesen Kriterien ist relativ einfach, kann man sich dabei doch an Tatsachen halten. Aber eine Kreuzfahrt wird auch entscheidend vom Schiff, seiner Besatzung und den darauf reisenden Passagieren geprägt. Die Frage der Nationalität des Schiffes ist dabei von großer Bedeutung. Unter Schwarz-Rot-Gold kreuzen nach wie vor nur zwei Schiffe, die „Europa“ von Hapag-Lloyd – ein rüstiger Oldtimer für higher-middle-class-Passagiere mit Sinn für Nostalgie – und die „Regina Maris“, ein biederes kleines Schiff für die lower-middleclass. Beide Schiffe kreuzen der Saison entsprechend im Mittelmeer, dann im Nordatlantik und in der Ostsee, um zum Herbst wieder ins Mittelmeer zu ziehen.

Am stärksten vertreten sind griechische und italienische Schiffe. Sie decken das Spektrum von der Luxus- bis zur Touristenklasse, von der Sechsbettkabine bis zum Apartment auf dem Brückendeck ab. Unter Hammer und Sicher fahren die Schiffe für Leute mit weniger Komfortanspruch, Anspruchsvolle buchen Schiffe mit französischer und norwegischer Flagge.