Henry Kissingers zehnte Mission im Nahen Osten wird, sollte sie scheitern, seine letzte sein. Das ist die vorherrschende Meinung in Washingtons Außenministerium.

Ungewiß wäre nach einem solchen vorerst noch nicht erwarteten Mißerfolg dann aber nicht nur die Zukunft des israelischen Regierungschefs Rabin und des ägyptischen Staatschefs Sadat – auch die Gefahr eines neuen Krieges wäre bedrohlich gewachsen.

Dies sind die Einzelheiten und die Hintergründe der neuen Aktion des US-Vermittlers:

Nach seinen Beratungen in Jerusalem macht Kissinger erst in Kairo, dann in Damaskus Station, um anschließend die Resultate seiner Gespräche auf arabischer Seite noch einmal mit den Israelis zu diskutieren. Danach trifft er sich mit dem sowjetischen Außenminister Gromyko in Genf. Obwohl Kissinger diesmal nur von einer "Erkundungsfahrt" sprach, führt er eindeutig Verhandlungen. Er will sie im März an Ort und Stelle zum Abschluß bringen.

Ziel der amerikanischen Diplomatie der "kleinen Schritte" ist es – nach dem Muster der ersten Rückzugs-Abkommen am Suezkanal (Januar 1974) und auf dem Golan (April 1974) –, zwischen Israel und Ägypten einen zweiten Abzugsvertrag auszuhandeln. Damit soll verhindert werden, daß vor grundsätzlichen Übereinkünften der beiden wichtigsten ehemaligen Kriegsgegner durch eine voreilige Einberufung der Genfer Friedenskonferenz die amerikanischen Entspannungsbemühungen torpediert werden.

Ehe Kissinger zu seiner Nahost-Mission aufbrach, bemühte sich sein Gegenspieler Gromyko in Damaskus und Kairo, das Genfer Treffen noch für den März auf die Tagesordnung zu bringen. Syrien stimmte zu, Ägypten verhielt sich dagegen abwartend.

Kairo benutzt freilich die Drohung mit Genf, wo dann auch die Palästinensische Befreiungsorganisation Arafats (PLO) vertreten wäre, als Druckmittel gegenüber Kissinger und den Israelis. Sadat, der erst kürzlich feststellte, daß es seit 26 Jahren zum erstenmal eine Aussicht auf Frieden im Nahen Osten gebe, und der auch – bei einem Totalrückzug Israels aus allen besetzten Gebieten – zu einer Existenz-Anerkennung des Judenstaates bereit ist, verlangte zwar