"Marxismus und Informatik", von Jean Claude Quiniou. Die Studentenrebellion der sechziger Jahre ließ die naturwissenschaftlichen Fakultäten rechts liegen. Rote Fahnen wehten allein bei den Sozial- und Geisteswissenschaftlern; dort wurde dann auch über Marx und die Welt gestritten, naturwissenschaftliche Fragen blieben dabei allerdings weitgehend ausgespart – zumindest bislang und hierzulande. Doch das, soll anders werden. Das West-Berliner Intellektuellen-Journal "Argument" will künftig die Naturwissenschaften berücksichtigen. Damit wären viele Linke weniger auf entsprechende Literatur aus DDR und UdSSR, aber auch aus Frankreich angewiesen. Es könnte zudem die längst fällige Diskussion über die Kybernetik, ebenso über die Elektrische Datenverarbeitung (EDV) stattfinden; es gäbe vielleicht unterschiedliche linke Antworten auf die Thesen von Quiniou. Denn seine Schrift, 1971 in Paris erschienen, kann zum Widerspruch reizen. Zu ehrfürchtig verneigt er sich vor den Parteitagsbeschlüssen der Französischen Kommunistischen Partei, zu schnell spricht er vom staatsmonopolistischen Kapitalismus; und was Quiniou in den 5 Kapiteln und 3 Anhängen über die Informatik – die Wissenschaft von den Computern und ihrem Einsatz – liefert, sind teilweise ungenaue, polemisch eingefärbte Auskünfte. Nichts sonderlich Lesenswertes also, weder über den Marxismus noch über die Informatik. Eher trifft zu, was Quiniou selbst eingesteht: "Agitation" und "Propaganda". (Pahl-Rugenstein Verlag, Köln, 1974; 160 S., 12,80 DM.)

Werner Hornung