Berlin: „Johannes Grützke“

Daß Grützke seine eigenwillige barockisierende Realismuskonzeption geduldig und konsequent vorantreibt, jenseits der etwas albernen Harlekinaden, die er zusammen mit seinen Freunden von der „Schule der Neuen Prächtigkeit“ gelegentlich inszeniert, zeigen seine neuen Arbeiten: Pastelle und Graphik, die jetzt (gleichzeitig, aber an verschiedenen Orten) zu sehen sind. Die große Figurenkomposition, eine bis zum Ekel gesteigerte Körperlichkeit, ist weiterhin das zentrale Thema. Dabei reproduziert Grützke den vitalen Gestus seiner Ölmalerei mit artifiziellem Raffinement im Pastell und in der Graphik, Monumentalität auch im kleinen Format, noch in der Radierung, hergestellt durch dem Barock abgesehene Mittel, perspektivische Verkürzungen, vor allem aus der Untersicht. In den großformatigen Schwarz-Weiß-Lithographien erreicht Grützke mit einer brillanten und mühseligen Technik des Ausschabens eine Dichte der Schraffuren und damit Plastizität, die vor allem als handwerkliche Leistung imponiert. (Galerie Kleber, Pastelle, und Galerie Natubs, Graphik, bis zum 16. März)

Katrin Sello

Stuttgart: „Zehn Australier“

Zeitgenössische Kunst in Australien: Gibt es die überhaupt? Man hat von den Schwierigkeiten beim Bau eines Opernhauses in Sydney gelesen, und davon, daß im Rundumverfahren auch ein Australier – Patrick White, erinnern Sie-sich noch? – den Nobelpreis für Literatur in Empfang nehmen durfte. Aber sonst? „Zehn australische Künstler“, eine Ausstellung, die auf ihrer Europatournee nach Paris nun in Stuttgart zu sehen ist, informiert über einige Aspekte der australischen Kunst von heute. Die Auswahl (neun Maler, ein Plastiker) erhebt nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein. Sie läßt aber immerhin Schlüsse zu auf die künstlerische Situation in einem Land, das auf der Suche ist nach einer nationalen Identität auch in der Kunst. Die Künstler sind gilt dreißig bis knapp fünfzig Jahre alt, einer ist fast siebzig. Einige haben in London, Birmingham oder New York studiert, fast alle haben Europa und/oder die USA besucht Lediglich der älteste, Roger Kemp, ist noch an der „Ecole de Paris“ orientiert, die Arbeiten der anderen reflektieren die amerikanische Kunst der fünfziger und sechziger Jahre. Der Kunst des englischen Mutterlandes ist als einziger der Plastiker Ron Robertson-Swann verpflichtet, ein Schüler von Anthony Caro und Phillip King (und Assistent bei Henry Moore). Die australischen Maler haben von den Amerikanern das Vokabular übernommen, aber sie sprechen Dialekt Das Ergebnis sind Doubletten, für die es doch keine genauen Vorlagen gibt – die Bildmittel sind gleich geblieben, die Bildbedeutung hat sich verändert Es handelt sich um den Versuch, das Erlebnis der australischen Landschaft mit Hilfe entlehnter „Muster“ zu beschreiben. Soweit sich das beurteilen läßt, hat der Versuch in eine Sackgasse geführt: Entstanden ist eine amerikanische Malerei mit australischen Akzenten, nicht eine australische Malerei aus amerikanischen Wurzeln. Mit dieser Einschränkung sind John Firth-Smith (geboren 1943), Michael Taylor (geboren 1933), Sydney Ball (geboren 1933); durchaus eindrucksvolle Naturabstraktionen geglückt. (Institut für Auslandsbeziehungen, bis zum 23. März, Katalog 5 Mark)

Helmut Schneider

Karlsruhe: „Geschriebene Malerei“