Deutschlands Zigarettenfabriken überschlagen sich seit einigen Monaten, um sich gegenseitig Geld und Gunst der Raucher abzujagen: Neueinführungen am laufenden Band.

Seit das Hamburger Zigarettenunternehmen Reemtsma im Oktober 1973 seine R 6 (damals die leichteste unter den „im Rauch nikotinarmen“ Zigaretten) auf den Markt schickte, ist ein neuer Konkonkurrenzkampf unter den Herstellern ausgebrochen. Reemtsmas Zigarettenmanager hatten nur ein Jahr Zeit, um die R 6 ungestört am Markt zu etablieren. Dann war die Konkurrenz da.

So lancierte die Frankfurter Philip Morris zu ihrer kräftigen Zigarette Marlboro eine leichte Version Marlboro lights, Haus Neuerburg schickte ihrer starken Camel Filter gleichfalls eine Camel light nach, und auch Reemtsma gab ihrer Peter Stuyvesant eine „extra leichte“ Version mit in den Wettbewerb.

Richtig in Gang gesetzt wurde die leichte Welle aber erst mit der Auslese von Simon Arzt, einer Tochtergesellschaft der Hamburger BAT. Sie wurde im August im gesamten Bundesgebiet eingeführt, just zur gleichen Zeit schickte auch Reemtsma seine Delta auf den Testmarkt Bremen – beides Zigaretten „im Rauch nikotinfrei“. Das bedeutet nach der Nikotinverordnung einen Nikotingehalt von höchstens 0,03 Prozent im Rauch, was 0,6 Prozent im Tabak entspricht. Inzwischen kam von Reemtsma die California als Auslese-Konkurrenz auf den nationalen Markt.

Die nächste „Leicht“-Runde wurde im Dezember eingeläutet – nun kam die Chemie ins Spiel. Die Martin Brinkmann AG brachte die Peer leicht auf den Markt – eine nikotinarme Zigarette mit 20 Prozent Cytrel, einen Zellulosestoff von einem amerikanischen Unternehmen. 25 Prozent von dem geichen US-Produkt mischte BAT ihrer jenen Marke Leichte Classe bei, die freilich erst auf den Testmarkt Nordrhein-Westfalen geschickt wurde. Reemtsmas R. 1, zum gleichen Zeitpunkt angekündigt, ist bisher am Markt nicht erschienen.

Der neueste Schrei – diesmal allein – kommt aus dem zur US-Konzern Reynolds gehörenden Haus Neuerburg. Anfang Februar warfen die Kölner eine „nikotinfreie“ Zigarette Reynolds No. 1 in Niedersachsen auf den Markt – mit einem Nikotingehalt von höchstens 0,1 Prozent im Tabak Eigenlob in der Werbung: „Gut gemacht.“ gf