Mitte 1973 sprach ich mit einem Mitglied der Bundesregierung über die steuerliche Belastung der Unternehmer. 60 Prozent Steuern vom Einkommen einschließlich Konjunkturzuschlag und Kirchensteuer seien doch eine ganze Menge. Darauf kam es zu folgender Unterhaltung:

Kabinettsmitglied: „Aber Sie zahlen doch höchstens 40 Prozent!“

Bucerius: „??“

Kabinettsmitglied: „Na, bei all den Verlusten aus Abschreibungsgeschäften, die Sie von Ihrem Einkommen abziehen!“

„Ach“, sagte ich, „Abschreibungsgeschäfte habe ich nie gemacht, die sind mir immer etwas dubios vorgekommen.“

Kabinettsmitglied: „Das ist ja recht nobel, aber auch ein bißchen dumm.“

Da hatte ich es. – Zwar hatten mich diese Geschäfte trotz der massiven Werbung, vor allem zu jedem Jahreswechsel, oft gereizt. Aber einmal führen all diese steuerlichen Vergünstigungen zurück entweder auf die sogenannte „Siebener-Gruppe“ des Einkommensteuergesetzes oder auf die besondere Berlin-Gesetzgebung. An der ersteren hatte ich als Mitglied des Wirtschaftsrates, an der letzteren als Vorsitzender des Berlin-Ausschusses im Bundestag mitgewirkt. Deshalb genierte es mich etwas, diese Vergünstigungen – die die Finanzämter auch unsinnig weit auslegten – für mich selbst auszunutzen. Auch waren mir die meisten Abschreibungsgeschäfte ein bißchen dubios vorgekommen. Ich hatte (wie boshaft) mit Vergnügen gesehen, wie mancher „Kommanditist“ beim Steglitzer Kreisel und anderen Pleiten die Steuervergünstigung und zugleich das eingezahlte Kapital verlor.