Müssen Kongresse", so fragte kürzlich eine neu ins Leben gerufene Zeitschrift namens "congress", "eigentlich so oft so langweilig sein?"

"congress" schildert eine typische Situation: "Der Zuhörer sitzt stundenlang in vielfach schlecht belüfteten Sälen, er schweigt, döst vor sich hin, fragt sich schließlich, ob der Vortrag nicht hätte schriftlich mitgeteilt werden können."

Just dieses bisher kaum ernstlich Denkbare, der vollständige Verzicht auf Vortragsfolgen, soll eine neue Art internationaler Forschungskonferenzen kennzeichnen, die eine Berliner Projektgruppe künftig mehrmals jährlich ausrichten will. Vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gegründet, hat diese Projektgruppe eine Konferenzform entwickelt, bei der Effizienz und Qualität mit weitaus größerer Wahrscheinlichkeit gesichert sein sollen, als das heute der Fall ist.

Als 1822 in Leipzig die erste Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte stattfand, eine der ersten wissenschaftlichen Tagungen überhaupt, beschrieb der Initiator, der Naturphilosoph Lorenz Oken, in der Einladung die Ziele des zuvor jahrelang diskutierten Unternehmens so: "... man möchte in jährlichen Versammlungen sich dasjenige mittheilen, was man in der Zeit gedacht und gethan; man möchte seine Zweifel den Männern vom betreffenden Fache vorlegen, um sich Raths zu erholen, oder um andere, deren Lage oder Talente dem Gegenstande günstiger sind, zur Untersuchung anzuregen; man möchte endlich durch die vielen persönlichen Bekanntschaften einen milderen Thon in der Litteratur bewirken..."

Die von Oken formulierten Ziele – Austausch von Erkenntnissen, Gewinn und Weitergabe von Anregungen sowie die Herstellung von Kontakten und persönlichen Beziehungen– sind nach wie vor gültig.

Doch Zweifel darüber, ob die heutigen wissenschaftlichen Kongresse in der Mehrzahl ihren Zweck erfüllen, bestehen seit Jahren. Bei nicht selten Tausenden von Teilnehmern, bei Hunderten von Vorträgen, die in acht oder zehn Räumen parallel zueinander gehalten werden, wandelt sich fast zwangsläufig anfängliches Interesse schnell in ein Gefühl der Ohnmacht.

Diese unbefriedigende Situation wurde schon im Frühjahr 1971 zwischen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft erörtert. Gemeinsame Überlegungen der beiden Spitzenorganisationen zur Forschungsförderung führten dann drei Jahre später zur Einrichtung einer Projektgruppe in Berlin. In einer romantisch gelegenen Villa im Stadtteil Grunewald bereitet seitdem die siebenköpfige Arbeitsgruppe, die zuvor schon beim Chemie-Unternehmen Schering mit der Organisation von Forschungskonferenzen befaßt war, die neuartigen Treffs für Wissenschaftler vor.