München

Dem Intendanten schlug der Ärger auf die Galle: Als die Pläne von Reinhold Vöth zur Strukturänderung beim Bayerischen Rundfunk (BR) die ersten Proteststürme hervorgerufen hatten, mußte sich der Intendant mit Gallenkoliken in ein Münchner Krankenhaus zurückziehen. Dabei hätte Vöth die eigene Gesundheit leicht schonen können: Er konnte sich im voraus ausrechnen, daß er mit seinen Wünschen massiven Widerstand von Rundfunkredakteuren und Rundfunkratsmitgliedern provozieren würde.

Ein gutes Vierteljahr nach der bayerischen Landtagswahl, von der CSU fast mit Zweidrittelmehrheit gewonnen, startet nun Vöth den Versuch, den BR noch strammer auszurichten. Wobei dem eher als liberalkonservativ eingestuften früheren Staatssekretär wahrscheinlich von der CSU-Parteiführung das Messer auf die Brust gesetzt worden ist: Schon im vergangenen Jahr war lanciert worden, Vöths Intendanten-Tage seien gezählt; er sei der CSU-Kommandozentrale an der Lazarettstraße zu lasch.

Vöth versucht jetzt, im Verein mit Fernsehdirektor Helmut öller, den Gegenbeweis anzutreten. Der bisherige Programmbereich „Regionalprogramm“ soll aufgeteilt, alle Nachrichtensendungen, die „Abendschau“ und ein neu zu schaffendes „Abendjournal“ sollen zu einem neuen Programmbereich „Bayern-Information“ zusammengefaßt werden. Die verbleibenden Abteilungen des Regionalprogramms werden bereits bestehenden Ressorts zugeschlagen. Begründet wird die ganze Umorganisation von Vöth mit der Notwendigkeit, Sparmaßnahmen durchzuführen.

Nun entzündet sich die Kritik der betroffenen Redakteure zuerst nicht an der Reform selbst, sondern an ihren personellen Konsequenzen: die gesamte politische Berichterstattung im Regionalbereich unterstünde dann nämlich BR-Chefredakteur Rudolf Mühlfenzl. Erst in diesen Tagen schlug Mühlfenzl, Mitglied der CSU, ein Angebot Axel Springers aus, als dritter Partner in das Chefredakteurs-Kollegium der Welt einzutreten. Leiter der „Bayern-Information“ aber soll nach dem Willen des Intendanten Franz Schönhuber werden. An seiner Person entzündete sich der Widerstand in den Redaktionen und im Rundfunkrat besonders heftig.

Schönhuber, gelernter Schauspieler, wird von seinen Gegnern als Opportunist abgestempelt. Er ist einer der wenigen Münchner Journalisten, die den Vormarsch der SPD-Linken und deren Aufmucken gegen den früheren Münchner Oberbürgermeister, Hans-Jochen Vogel, publizistisch tatkräftig unterstützten. Nach Meinung seiner Gegner aber nur, bis für ihn im Funkhaus eine neue Stelle geschaffen wurde: Vor zwei Jahren setzte Vöth im Rundfunkrat durch, daß eine neue Zentralabteilung „Öffentlichkeitsarbeit“ eingerichtet und mit Schönhuber als Leiter besetzt wurde. BR-Redakteure werfen Schönhuber nun vor, daß er von diesem Zeitpunkt an in seinen Kolumnen, die er neben seiner Rundfunktätigkeit schreibt, eine politische Volte schlug. Schönhuber begann, die SPD und ihre „Linken“ zu verdammen. Seine Frau, die für die Sozialdemokraten im Münchner Stadtrat saß, verließ die Partei und legte ihr Mandat nieder. Und Journalist Schönhuber versäumt nie, Franz Josef Strauß als „bedeutenden Staatsmann“ abzufeiern.

Seine Kritiker verübeln ihm die Wandlung, weil sie nicht glauben, daß sie die Folge einer persönlichen Entwicklung, sondern eher eine taktische Wendung sei „um eben an den jetzt zur Diskussion stehenden Posten zu kommen“. Dieser Vorwurf erhält dadurch zusätzliches Gewicht, weil gegen Schönhuber im Kandidatenrennen bei Vöth zwei fachlich gleichzustellende Konkurrenten unterlagen: der unabhängige Heinz Burghart, der bisher schon die „Abendschau“ leitete und erklärter Favorit der BR-Redakteure ist, und der engagierte CSU-Parteigänger Wolf Feller.