Vorausbericht: „Salome“, Oper von Richard Strauss (ZDF, Sonntag, 16. Februar)

Oper auf dem Fernseh-Bildschirm – ein leidiges Problem von Anfang an. Was sich üblicherweise auf der Bühne an Haupt- und Staatsaktionen oder buffonesken Umtrieben als Aktion im Raum ereignet, soll jetzt auf kleiner Fläche und in den meisten Fällen schwarzweiß statt farbig sich wieder finden.

Was als Bewegung oder choreographischer Kontrapunkt von statischen Positionen ein Drittes ergeben soll zum Text der Fabel und zu einer in sich autonom strukturierten Musik, das wird im elektronischen Zimmertheater reduziert auf entweder das formatfüllende Bild eines Hauptdarstellerkopfes oder das in Miniaturgröße gebrachte Ensemble.

Was im Orchestergraben und von der Rampe her an Klangschattierungen und Farben, an dynamischen Nuancen und Eruptionen faszinieren mag, wird zu Hause, einerseits wegen der technischen Unvollkommenheit der Geräte, in denen der akustische Bereich auf dem Niveau eines Taschentransistors steckenblieb, andererseits wegen der Forderungen des sozialen Wohnungsbaus, die Dynamik auf einen die Details absolut unhörbar machenden Pegel herunterzudrehen, zu einem verzerrten Schatten seiner selbst.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der zahlreichen dilettantischen Versuche, durch Abfilmen von Bühneninszenierungen etwas Fernsehgerechtes zustande zu bringen, erhält eine Produktion erst recht Format, die das ZDF (zusammen mit dem Wiener ORF) in Auftrag gab und am kommenden Sonntag sendet: „Salome“ von Richard Strauss. Hier wurde endlich einmal sinnvoll mit den technischen Hilfen und Besonderheben eines Mediums gearbeitet. Die sukzessive Aufnahme von kleineren musikalischen Komplexen und ein sorgfältiger Schnitt machten es beispielsweise möglich, eine Sängerin als Salome zu verpflichten, die eine unglaublich schöne und leichte, dabei in den Farben ungemein ausdrucksstarke Stimme besitzt, dazu ein Gesicht, das sich zu verwandeln vermag – die aber kaum auf der Bühne in der Lage wäre, die mörderische Partie durchzuhalten: Teresa Stratas.

Die für Opernbesucher Normalerweise einzig mögliche Ansicht der Totalen wird in dieser Produktion nur ganz selten geliefert. Eine einzige Einstellung etwa genügt, um zu Beginn die Welt des herodianischen Hofes zu zeigen: Wie hinter einem blaß-bläulichen Dunstschleier sitzen dort die in ihren wüsten Genußorgien dahinvegetierenden transvestitischen Kumpane eines an seinen Neurosen zugrunde gehenden Herodes, stehen aber auch die Intellektuellen, lässig mit dem Weinbecher spielend, herum wie beim small talk auf einer Literaten-Party – eine überfeinerte, überzogene, pervertierte und, darin morbide Gesellschaft, das Fin de siècle des Jahres Null.

Statt der Bühnentotalen also die im Opernhaus nicht einmal mit stärkeren Gläsern erkennbaren Details: Großaufnahmen, zwei Personen, ein Kopf, manchmal nur die Augen einer Person. Aber dies nicht in einer allenfalls die Schönheiten eines Lächelns dokumentierenden, ansonsten langweiligen Standeinstellung, sondern in einem dauernd kontrapunktischen Wechsel.