Meine Mutter möchte gern, daß ich im Büro arbeite, aber ich lasse mich durch sie nicht beeinflussen und auch nicht durch andere, die mir gut zureden. Ich mache erst mal die Schule zu Ende, und dann werde ich mir einen Job suchen, der mir Spaß und Freude macht. Wenn ich hier keine Stelle finde, wandere ich aus.

Kirsten Drey er, 14 Jahre

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Als ob es eine Auswahl gäbe? Um Arzt zu werden, muß man das Abi mit lauter Einsen schaffen, und zum Diplomaten muß man zu Hause die entsprechenden Umgangsformen erworben haben. Im übrigen: Was weiß ich von Berufen, von Anforderungen, von meinen wirklichen Fähigkeiten – nach 13 Jahren Gammelleben in der Schule? Neulich war ich bei der Berufsberatung. Aber da kann man sich gleich aufhängen: Hier brauchst du ’ne 1, du ‘ne 1,5, und hin und wieder könntest du sogar mit ’ner 1,9 durchkommen.

Susanne Wittern, 17 Jahre

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Noch vor zwei bis drei Jahren hätte ich jedem zugestimmt, wenn er gesagt hätte, daß er Berufsneigung und Einkommen vor die berufliche Sicherheit stellen würde. Doch heute wird nicht mehr auf berufliche Neigung, sondern auf einen krisenfesten Beruf Wert gelegt. Das erklärt auch den Ansturm auf Ausbildungsstellen im öffentlichen Dienst. Geht man vom Artikel 12 des Grundgesetzes aus, der jedem Deutschen das Recht gewährleistet, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstelle frei zu wählen, so muß man feststellen, daß jeder zwar seinen Beruf frei ausüben kann, wenn er ihn hat, aber die jetzt schon astronomisch hohe Zahl der jugendlichen Arbeitslosen zeigen einen anderen Sachverhalt auf. Neben dem Numerus clausus für Studenten wird es bald auch einen Numerus clausus für bestimmte Lehrstellen geben! Joachim Büthe, 18 Jahre