Bundesbürger können jetzt bei Reisen in die DDR uneingeschränkt das A uto benutzen

Reisen in die DDR sind auf einmal gefragt. Sie sind beliebter, als sie es je waren. Reiseveranstalter, wie zum Beispiel DER, gut oder Hansa-Tourist, bejubeln den plötzlichen Boom. Allein bei Hansa-Tourist wurden im Januar dieses Jahres 2500 DDR-Reisen gebucht; mehr als im ganzen letzten Jahr zusammen (1974 waren es 1800). Die Hamburger Niederlassung von Hansa-Tourist zählt heute am Tag zehn bis 20 Buchungen: „Oft werden. Kurzreisen gewünscht, aber es kommen auch schon Leute, die 21 Tage in die DDR reisen wollen.“

Das klingt verblüffend. Um so mehr als die DDR bisher als Reiseziel nicht eben sonderlich gefragt war. Vor gut zwei Jahren wurde mühsam die Möglichkeit ausgehandelt, daß wir als Touristen in die DDR reisen können, doch die erwartete große Nachfrage blieb aus. 1974 ging der Reiseverkehr von hier nach drüben sogar zurück. Große Veranstalter scheuten sich, die DDR in ihre Programme zu nehmen; die Hotelkapazität im anderen Teil Deutschlands ist so begrenzt, daß niemand für die wenigen zu verkaufenden Betten teure Prospektseiten hergeben wollte. So fehlt Werbung.

Obendrein standen DDR-Reisen aber auch bald in dem Ruf, besonders schwierig zu sein: Man, muß sie lange im voraus buchen, sie sind teuer, und man konnte nicht mit dem eigenen Auto fahren. Ende 1973 wurde außerdem der tägliche Pflichtumtausch für Besucher erhöht, was sicher die Lust auf die DDR nicht verstärkte. Inzwischen wurde er zwar wieder heruntergehandelt, doch das allein kann die plötzlich erwachte Sehnsucht nach dem östlichen Nachbarn nicht erklären.

Die einzige wirklich plausible Erklärung scheint zu sein: Jeder von uns darf jetzt – ohne dafür wie bisher schwierige Bedingungen erfüllen zu müssen – mit dem eigenen Auto in die DDR reisen. Das allein macht den ganzen Unterschied,

Denn uninteressant ist diese Neuerung ja nur für jene Gruppen, die in Bussen reisten und reisen werden: die Gesangsvereine, die zur Wartburg rollen, und all die Schulklassen, Kegelbrüder, Gruppen aus Volkshochschulen und Handwerkskammern. Allen anderen ist die DDR – durch das komfortablere Transportmittel Auto – endlich in greifbare Nähe gerückt.

Sonst ist schließlich alles geblieben wie zuvor: Sie müssen möglichst sechs Wochen vor der Reise buchen, egal ob Sie nun eine Woche in den Schnee nach Oberhof oder zwei Wochen in die Sonne an die Ostsee fahren möchten, ob Sie von Reiseveranstaltern organisierte Städterundreisen mitmachen oder sich selbst die Route zusammenstellen und zum Beispiel zwei Tage in Potsdam, drei Tage in Rostock und vier Tage in Weimar verbringen wollen. Auch die Preise sind geblieben, DDR-Interhotels kosten auch weiterhin zwischen 30 und 70 Mark am Tag, entsprechend teuer sind die Pauschalreisen. Mehr noch: Sie können sich auch in Zukunft die Hotels nicht selbst aussuchen, müssen wählen unter den Hotels in den 19 Städten, die die DDR uns für Touristenreisen anbietet, müssen sich vor der Reise genau festlegen.