Die Gespräche in Bonn über eine Kontrolle des grenzüberschreitenden Kapitalverkehrs mit dem Ziel, unerwünschte Ausländer aus deutschen Großunternehmen fernzuhalten, sowie die Bemühungen einiger Unternehmer, in „Selbsthilfe“ die Überfremdung (durch Schaffung von Stimmrechtsbegrenzungen) zu verhindern, führten auf den deutschen Aktienmärkten zu einer Atempause. Dabei steht keineswegs fest, daß die Ausländer ihre Kaufaufträge für deutsche Aktien verringert haben oder ob es nur die deutschen „Mitläufer“ der Petro-Dollar-Spekulation waren, die zunächst kalte Füße bekamen. Immerhin ist festzustellen, daß es in den Aktien solcher Unternehmen, die für Nahost-Länder als interessant gelten, in letzter Zeit etwas ruhiger zugegangen ist. Bei Mannesmann kam es nach Verkündung der Absicht, das Stimmrecht auf 5 Prozent des Kapitals zu begrenzen, sogar zu einem spürbaren Rückschlag.

Wenn die „Besinnungspause“ in den deutschen Börsensälen so wenig zu spüren war, dann lag es daran, daß die Zinssenkung auf dem Kapitalmarkt auch dem Aktienhandel neue Impulse versetzt hat. Die Tendenz wird zur Zeit immer noch von den „Monetaristen“ gemacht, also von jenen Börsenexperten, für die als wichtigstes Kurskriterium die Menge des umlaufenden Geldes gilt. Und zur Zeit gibt es, wie die sinkenden Zinsen und Werbung um neue Kreditkunden zeigen, davon genug. Der Vorstand der Vereins- und Westbank AG, Hamburg, ist sogar der Meinung, daß das Kreditvolumen in diesem Jahr schrumpfen könnte, was bei gleichzeitig rückläufiger Zinsmarge zu niedrigeren Einnahmen der Banken aus dem Kreditgeschäft führen müßte. Wenn die Kurse der Bankaktien solche Perspektiven nicht widerspiegeln, so liegt es an der Aussicht, daß 1975 1, Mindereinnahmen im Kreditgeschäft durch Mehreinnahmen aus dem Effektengeschäft ausgeglichen werden. Der Monat Januar brachte dem deutschen Kreditgewerbe auf diesem Sektor neue Rekorde, besonders im Absatz von festverzinslichen Wertpapieren.

Im Januar und in den ersten Februarwochen sind nun auch die lange Zeit vernachlässigten Aktien der Großchemie besser ins Rennen gekommen, wie unsere obige Tabelle zeigt. Wer das Kurs/Gewinn-Verhältnis zum Bewertungsmaßstab nimmt, muß die Aktien von BASF, Bayer und Hoechst als preiswert empfinden, auch wenn die guten Gewinne des Jahres 1974 in diesem Jahr vermutlich nicht wiederholt werden können. Und was für die Chemie gilt, trifft auch für den Stahl zu, wo sich erst im Februar eine Kursbesserung abzeichnet – nicht zuletzt wegen der Prognose, wonach schon bald mit einer Belebung des gegenwärtig stagnierenden Stahlabsatzes zu rechnen sei. K. W.