Was kann Kurt Waldheim dafür, daß er so schwach ist? Viel mehr als der Vereinten Nationen höchster Protokollbeamter ist der UN-Generalsekretär nun einmal nicht – einer Weltorganisation, die ohne Macht ist.

Was also soll da das teils höhnische Gelächter, teils grantige Geschimpfe auf Waldheim und seinen vom Neuen Deutschland triumphal gefeierten Antrittsbesuch in Ost-Berlin? Daß er überhaupt dort war – welche Stillosigkeit. Daß er zuvor nicht in West-Berlin abgestiegeh war – welches Defizit an politischem Instinkt. Daß er nicht die Mauer anprangerte, nicht die Verletzung der Menschenrechte durch seine Gastgeber geißelte – was für ein Mangel an Courage. Die beleidigten Besserwisser hatten Konjunktur.

Dabei hat der Generalsekretär als Staatsgast Honeckers keineswegs den Mund gehalten, als er in einer Pressekonferenz herausgefordert wurde: Über humanitäre Hilfe, die er leiste, spreche er nicht öffentlich. Also ist sie wohl nötig in diesem Fall. Auch die DDR habe, wie alle UN-Mitgliedsstaaten, die Menschenrechtskonvention unterzeichnet. Also, anders konnte dieser Hinweis kaum verstanden werden, hat sie sich daran auch zu halten.

Freilich: Die Vereinten Nationen können Vergehen gegen diese Vereinbarung nicht wirksam einklagen, schon gar nicht Verstöße gegen die Menschenrechte im Mitgliedsland selber ahnden. Seine Kritiker schlachteten Waldheim im falschen Saal. D. St.