Wie angenehm, daß sie immer bereit sind, sich zu Narren machen zu lassen, die Frauen. Und wie gut, daß sie sich eifrig bemühen, den Klischees von den „typisch weiblichen“ Eigenschaften gerecht zu werden: Dumm sind sie, emotionell und leicht verführbar. Vorführbar ist das auch in aller Öffentlichkeit: Etwa wenn auf dem Bildschirm Alice Schwarzer und Esther Vilar miteinander wetteifern in dem Bestreben, alle männlichen Vorurteile zu bestätigen, und es dann noch nicht einmal merken.

Von der einen, von Esther Vilar, ist das, ihren Ansichten entsprechend, zu erwarten gewesen. Aber muß man sich deshalb gemeinsam derart prostituieren, Frau Schwarzer? Wo bleibt eigentlich die vielbeschworene Solidarität? Sie bleibt dann hinter dem Wunsch, einander die Augen auszukratzen, zurück.

Die Männer haben den Frauen ein eigenes Jahr beschert Das beruhigt ihr Gewissen und verpflichtet sie zu nichts. Außer vielleicht, daß sie die Frauen als Feigenblätter nutzen, damit die männlichen Ansprüche in nicht ganz so aufreizender Blöße erscheinen. Der Gedanke kommt mir, da und nachdem ich selber gerade – so wenigstens habe ich den Verdacht – in einer Fernsehsendung als Feigenblatt diente. Oder sie machen die Frauen zu Objekten ihrer Häme: „Beitrag zum Jahr der Frau: Eine Hausfrau“ (von langjähriger Politikerin, von ehemaliger Ministerin und Staatssekretärin ist wohlgemerkt nicht die Rede) „entthront den Führer der britischen Konservativen.“

Die Massenmedien haben sich des Jahres der Frau angenommen – bisher vornehmlich zur Gaudi der Männer und zum höheren Zweck der Bestätigung männlicher Vorurteile. Und die Frauen akzeptieren es; genauso, wie sie es als anscheinend gottgewollt hinnehmen, daß sie die ersten sind, die in einer Wirtschaftskrise ihren Job verlieren, weil Dreiviertel von ihnen ungelernte oder angelernte Arbeiterinnen sind. Sie nehmen es hin, daß ein immerhin so bekannter Soziologe wie Helmut Schelsky sie mit Hilfsschülern auf eine Stufe stellt, wenn er seine unglaubliche These verbreitet, „daß es einen Teil der Bevölkerung gibt, der ... monotone Arbeit als entlastend bejaht, ja in ihr nur arbeitsfähig ist (junge Frauen, Hilfsschüler)“. Sie arbeiten ohne Aufbegehren in Leichtlohngruppen und absolvieren widerspruchslos neben der Arbeit eine zweite 40-Stunden-Woche, im Haushalt, und sie lassen sich mit drei Millionen Mark für ein Frauenreferat im Familienministerium abspeisen, während einmal Olympische Spiele den Steuerzahler 700 Millionen Mark kosten.

Wo Macht ist, da haben Frauen nichts zu suchen, hat man ihnen eingebleut. Darum lassen sich Zweidrittel der Frauen lieber von Männern politisch vertreten, und für die meisten von ihnen ist nichts erstrebenswerter, als Geborgenheit beim Mann und am häuslichen Herd zu suchen. Der Schein trübt ihren Blick. Radio, Fernsehen und Zeitungen beteiligen sich wacker an dem Gaukelspiel. Das Sein verbildet eben das Bewußtsein. Es ist an der Zeit, dieses Bewußtsein umzukrempeln. Und das ist, so meine ich, eine wesentliche Aufgabe der männergemachten Medien. Der Karneval ist zu Ende und das Jahr der Frau ist zu besserem da als Schattenboxen à la Alice contra Esther. Gabriele Venzky