ZEIT: Herr Lutz, Sie haben in den ersten Monaten nach Ihrem Amtsantritt einiges für die Aufpolierung des angekratzten Images Ihres Hauses getan. Die Neuwagengarantie wurde verdoppelt. Escort und Taunus werden ohne Aufpreis halbwegs komplett angeboten. Sehen Sie schon Erfolge?

Lutz: Bei einer serienmäßigen Ausstattung mit Stahlgürtelreifen, Bremskraftverstärker, Scheibenbremsen, elektrischer Scheibenwaschanlage, heizbarer Heckscheibe, Drehstromlichtmaschine und Stabilisatoren vorn und hinten glaube ich, daß man schon von einem kompletten Auto sprechen muß. Diese Ausstattung repräsentiert immerhin einen Wert von etwa 700 Mark, die der Käufer bisher zahlen mußte. Der Autokäufer hat seinen Preisvorteil ganz klar erkannt. Escort und Taunus -sind im Augenblick auf dem Inlandsmarkt ein glänzender Verkaufserfolg.

ZEIT: Wollen Sie generell von der vielgeschmähten Aufpreistaktik abrücken?

Lutz: Ja, wir werden auch in Zukunft notwendiges Sicherheitszubehör bereits im Basismodell anbieten.

ZEIT: Planen Sie weitere Maßnahmen dieser Art?

Lutz: Wir werden bei Ford konsequent den Weg einer verbraucherfreundlichen Politik weitergehen. Der nächste Schritt: Wir werden mit einem neuen Granada die bisherige Consul/Granada-Baureihe ablösen und in der gehobenen Mittelklasse nur noch ein einziges, technisch weiterentwickeltes und komplett ausgestattetes Fahrzeug anbieten. Dies ist eine weitere logische Konsequenz unserer neuen Firmenpolitik, dem Verbraucher übersichtliche und vernünftige Angebote zu unterbreiten. Wir werden da, wo es nötig erscheint, ohne Rücksicht auf eingefahrene Gewohnheiten auch die Modell-Vielfalt einschränken.

ZEIT: Sie sind mit Ihrer unkonventionellen Marktstrategie aus der Wohlverhaltens-Phalanx der Autoindustrie ausgebrochen. Haben den Konkurrenten Fragen des Kartellamts ins Haus gebracht, das wissen will, warum sie gemeinschaftlich den Ford-Neuerungen nicht folgen. Haben Sie sich damit den Ärger der Branche eingehandelt? Gibt es – wie schon behauptet wurde – Spannungen im Verband der Automobilindustrie (VDA)?

Lutz: Ich kann mir zwar vorstellen, daß nicht alle VDA-Mitglieder die Maßnahmen bei Ford „bejubeln“. Aber es ist undenkbar, daß der VDA oder einzelne Wettbewerber einem unabhängigen Konzern wie den Ford-Werken irgendeine Art von Wohlverhalten empfehlen würden. rf