Für die Verleihung kommen in erster Linie Persönlichkeiten in Betracht, die im Geiste Schillers durch ihr gesamtes künstlerisches Schaffen oder durch ein einzelnes Kunstwerk von bedeutendem Rang dem kulturellen Fortschritt in hervorragender Weise gedient haben.

Ziffer 2 der Satzung über die Verleihung des, Schillerpreises der Stadt Mannheim, der in diesen Tagen dem Zeichner und Graphiker Horst Janssen zugesprochen wurde.

„Theater der Ehrlichkeit“ – in Wien

Überraschend für alle, auch ein bißchen für ihn selber, ist der vierzigjährige, in Magdeburg geborene Schauspieler Achim Benning zum neuen Direktor des Wiener Burgtheaters bestellt worden. Auf die Klingenberg-Ära der großen Worte folgt mit Benning eine Zeit arbeitsamer Nüchternheit, was am Theater keineswegs Öde oder Langeweile bedeuten muß. Der ehemalige Student am Reinhardt-Seminar und am Theaterwissenschaftlichen Institut der Wiener Universitat, der 1959 als Schauspiel-Eleve an die Burg kam, dort als Schauspieler und Regisseur nie besonders auffiel, aber durch einen in Wien ungewöhnlichen Ernst und eine der Branche fremde, intellektuelle Sachlichkeit Sympathien gewann, ist seit 1970 „Vertrauensmann“ des Ensembles. In der ersten Erklärung nach seiner Ernennung hat Benning seinen Ruf uneitler Sachlichkeit bestätigt. Die Tätigkeit, die er am 1. September 1977 antrete, werde „im günstigen Fall“ vier Jahre dauern. Er sei Schauspieler und gedenke, 1981, „hoffentlich unbeschädigt“, diesen Beruf wieder aufnehmen zu können. Ein „künstlerisches Glaubensbekenntnis“ verweigerte der neue Direktor. Den Wienern versprach er ein „Theater der geistig gen Unruhe, der produktiven Widersprüche, ein Theater der Ehrlichkeit“. Neue Töne an der Donau.

Leni Riefenstahl in Amerika

Sie wird gelobt, gefeiert und gewürdigt, ein Filmfestival in Colorado zeichnet sie neben dem Altstar Gloria Swanson und dem Regisseur Francis Ford Coppola („Der Pate“) aus, einen Regisseurinnen-Zyklus in Chicago mit Werken von Agnes Varda, Mai Zetterling, Susan Sontag und anderen eröffnet ihr Film „Das blaue Licht“, ihr Prachtband „Die Nuba“ über einen Stamm im südlichen Sudan wird überschwenglich gelobt: Amerika hat sich endgültig mit Leni Riefenstahl versöhnt. Tageszeitungen, Magazine und Fachzeitschriften attestieren der Regisseurin von „Triumph des Willens“ und den Olympiafilmen von 1936 zwar „politische Naivität“, ehren aber vorbehaltlos die Künstlerin. Nur Susan Sontag hält nicht mit: In einem giftigen Essay in der „New-York Review of Books“ holt sie aus zu einer Generalabrechnung mit „Leni Riefenstahl and Fascism“, ausgehend von einer allzu rudimentären und schönfärberischen Riefenstahl-Vita auf der Manschette des Nuba-Buches. Vieles habe man weggelassen, vermutet sie, „damit es nicht schleichende antiteutonische Vorurteile beim Käufer der siebziger Jahre wieder wachruft“; im Buch selbst scheine die alte Ideologie von Kraft und Schönheit unverkennbar durch. Bei uns sind „Die Nuba“ im Winter 1973 im List Verlag erschienen.

Konzentrierte Kunstmärkte

Not (in diesem Fall: die Flaute im Kunstgeschäft) macht nicht nur erfinderisch, sondern zuweilen auch vernünftig: Der Kölner Kunstmarkt (KKM) und die Düsseldorfer Internationale Kunst- und Informationsmesse (IKI), die sich jahrelang bekriegt und das Publikum durch Simultantermine erschöpft haben, sie werden im Herbst 1975 zum erstenmal vereint stattfinden. Der Kompromiß zwischen der (arg) elitären Kölner und der (allzu) populären Düsseldorfer Messe beginnt mit einer neuen,’ brauchbareren Messe-Satzung: Nach dieser Definition ist Galerist und damit teilnahmeberechtigt, wer eine kontinuierliche Galerie- oder Editionstätigkeit nachweisen kann. Kunsthandwerker und Eintagsfliegen (die die Düsseldorfer Messe stellenweise zum Rummelplatz machten) sind damit ausgeschieden. Außerdem muß jedes angebotene Kunstwerk genau mit Angaben über Technik, Jahr, Auflage, Preis ausgezeichnet sein (was im vornehmen Köln oft unterlassen wurde). Die neue Gemeinschaftsmesse soll alternierend in Köln und Düsseldorf stattfinden. Die Entscheidung darüber, welche Stadt den Anfang macht, ist zwar noch nicht gefallen, aber sich darüber noch zu zerstreiten, ist doch jetzt wohl kaum mehr möglich.