Von Jens Friedemann

Zahnärzte, Rechtsanwälte, Showmaster und andere Großverdiener locken sie mit dem Versprechen, aus Verlusten ein Vermögen zu machen. Sich selber bemitleiden sie als Opfer von Behördenwillkür. „Gefällt einem Beamten meine Nase nicht“, klagt Dieter Quast, Abschreibungsexperte aus Köln, „dann kann er mein Geschäft kaputt machen.“

Deutschlands oberste Finanzbehörden haben einer Branche den Kampf angesagt, die sich darauf spezialisiert hat, die Steuergelder ihrer Klientel vermögenswirksam anzulegen. Die von den Wirtschaftspolitikern bewußt geschaffene Möglichkeit, Bezieher hoher Einkommen mit Steuervorteilen zur Anlage ihrer Ersparnisse in Notstandsregionen, in Entwicklungsländern oder in Berlin zu locken, ist allzuoft von windigen Geschäftemachern mißbraucht worden. Mit dem amtlichen Siegel „vom Finanzamt bestätigt“ lockten sie gutgläubige Anleger in finanzielle Abenteuer hinein, an deren Ende häufig nicht der versprochene Supergewinn, sondern ein Finanzskandal stand.

Investitionsruinen und Pleiteobjekte von der Ostsee bis zu den Alpen, in Spanien wie in Afrika, haben die Abschreibungsbranche in Verruf gebracht und die Politiker und Steuerbehörden alarmiert. Denn trotz aller Pleiten finden sich immer wieder gutgläubige Anleger, die sich durch farbige Prospekte und die Aussicht auf hohe Gewinne zu fragwürdigen Abschreibungsgeschäften verlocken lassen.

Doch die Erlasse und Verordnungen, mit denen die Auswüchse beschnitten und die Aktivitäten der rund vierzig verschiedenen Abschreibungsvermittlungsfirmen Zügel angelegt werden sollen, sind ebenso unübersichtlich und chaotisch wie die Branche selber, in der neben seriösen Finanzberatern skrupellose Geschäftemacher und Gauner ihr Unwesen treiben.

Da in jedem Bundesland und dort wieder von Finanzamt zu Finanzamt andere Vorschriften und Praktiken gelten, kann zur Zeit jeder Finanzamtsvorsteher nach eigenem Ermessen Abschreibungsgesellschaften und deren Kunden Steuervorteile zuerkennen und verweigern. Dabei bleiben dann allzuoft gesamtwirtschaftlich sinnvolle Vorhaben auf der Strecke, während windige Projekte auch noch den amtlichen Segen erhalten.

Freilich, die hochgezüchteten Steuersparmodelle stellen die Beamten oft vor nahezu unlösbare Schwierigkeiten. Klare gesetzliche Regelungen hat Bonn bislang nicht erlassen. Statt dessen bewirken Dutzende von Erlassen einzelner Behörden, daß Bundesbürger vor dem Gesetz nicht mehr gleich sind und niemand heute noch übersehen kann, was erlaubt und was verboten ist. „Zustände wie in einer Bananen-Republik“, jammern Vertreter der Abschreibungsbranche.