Der CDU-Abgeordnete Hans Evers mochte nicht glauben, daß SPD-Forschungsminister Hans Matthöfer einen bayrischen Unternehmer fördert, der Jahr für Jahr Gelder zugunsten der CSU mobilisiert. Evers fragte daher an, ob Brillenfabrikant Rolf Rodenstock von Bonn Forschungsgelder für Mehrstärkengläser bekommt. Kaum war die Anfrage draußen, wurde Evers von eigenen Parteifreunden bedrängt, die Anfrage zurückzuziehen. Doch Evers erklärte sich nur mit der diskreteren Form einer schriftlichen statt einer mündlichen Beantwortung im Bundestag einverstanden.

Rodenstock bekommt in der Tat 900 000 Mark. Bonn und drei unabhängige Gutachter möchten neue optische Mehrstärkengläser. Noch vor der Anfrage von Evers hatte Wolfgang Schultze-Wolters im Namen der Freiburger Firma Ehinger, die solche Gläser aus Frankreich importiert, ein fast gleichlautendes Schreiben an das Ministerium gerichtet. Der Freiburger MdB Evers beteuert indes, daß es ihm nicht darum geht, die heimische Brillenfirma vor unliebsamer Konkurrenz zu bewahren. Er meint aber, die deutsche Industrie könne auch aus eigener Kraft solche Forschungen finanzieren. Seinen Parteifreunden wollten vor allem nicht, daß CSU-Förderer Rodenstock ins Gerede kommt.

Der Wirtschaftsrat der CDU ängstigt sich, es könne der Eindruck entstanden sein, die ideologischen Kämpfe an den deutschen Hochschulen hätten nachgelassen. In einem persönlichen Brief an die Mitglieder des Wirtschaftsrates schrieb sein Geschäftsführer Haimo George, dies sei eine Täuschung. Alle dem Gemeinwohl verpflichteten Personen sollten daher dazu beitragen, den Meinungspluralismus an den Hochschulen zu erhalten. Kern seines Anliegens: Weil die linken Gruppen dem einzigen bundesweit organisierten demokratischen Studentenverband – dem Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS) – turmhoch überlegen seien, sollen Mitglieder und Freunde des Wirtschaftsrates das Organ des RCDS „Demokratische Blätter“ finanziell unterstützen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelstages, Rüdiger Altmann, grübelte während eines ausgiebigen Saunaaufenthalts über den Kompromiß, den das Kabinett in Sachen Berufsbildung gefunden hat. Altmann, in Schweiß gebadet: Die nun zu erwartende Mehrbelastung der Wirtschaft werde zu einem Abbau von Lehrstellen führen. Dies geschehe bereits selbst bei Unternehmen mit renommierten Lehrwerkstätten wie etwa Siemens. Eine Rundfrage bei Siemens ergab aber, daß von einem Lehrstellen-Rückgang keine Rede sein kann.*

Lutz Stavenhagen, CDU-MdB, möchte das Bausparen umfunktionieren, um die künftigen Energieinvestitionen – bis 1985 etwa 250 Milliarden Mark – finanzieren zu können. Wenn das Bausparprämiengesetz so geändert würde, daß die Prämien und Steuervergünstigungen auch für Energieinvestitionen gewährt werden, könnten Bausparverträge zum Erwerb von Bruchteileigentum an diesen Investitionen verwendet werden. Stavenhagen: „Wenn nur etwa 15 Prozent der Bausparverträge für Energieinvestitionen bereitgestellt würden, ließe sich der erwartete zusätzliche Kapitalbedarf im Energiesektor decken.“

*