• Ihr Entwurf eines entwicklungspolitischen Konzepts sieht eine verstärkte Hilfe für die ärmsten Länder der Vierten Welt von Sie persönlich denken an einen Anteil von 50 statt bisher zehn Prozent der Entwicklungshilfe an diese Länder, Sie wollen sogar teilweise auf eine Rückzahlung verzichten. Welcher Gedanke steckt dahinter?

Todenhöfer: Entwicklungshilfe im klassischen Sinn kann es nur noch für diese 30 ärmsten Länder der Vierten Welt geben. Jedenfalls ist es die Vorstellung der Kommission, die diesen Entwurf erarbeitet hat, daß gerade die bedürftigsten Länder den Hauptanteil an der Entwicklungshilfe erhalten. Und soweit es sich um Infrastrukturmaßnahmen handelt, bin ich der Meinung, hier sollte auf eine Rückzahlungspflicht verzichtet werden.

  • Aber können wir uns solche Geschenke leisten?

Todenhöfer: Wir wissen doch schon seit Jahren, daß die Länder der Vierten Welt nicht in der Lage sein werden, alle erhaltenen Kredite zurückzuzahlen. Hier hat man nur sich selbst, dem Parlament und dem Steuerzahler etwas vorgemacht. Im übrigen schlagen wir ja vor, in dem Maße wie der Geschenkanteik für die Vierte Welt steigt, den Geschenkanteil für die weiter fortgeschrittenen Länder der Dritten Welt zu senken. Das ist nicht nur eine gerechtere, sondern auch eine ehrlichere Lösung.

  • Ein weiterer Punkt in Ihrem Konzept gilt der Ausweitung des Handels mit den fortgeschrittenen Entwicklungsländern. Über Handelserleichterungen entscheidet aber nicht Bonn, sondern die Europäische Gemeinschaft. Wie wollen Sie denn vorgehen?

Todenhöfer: Die Bundesregierung sollte ihr Licht in der EG nicht immer so unter den Scheffel stellen. Wenn wir mit wirklichem Nachdruck für Handelserleichterungen eintreten, können wir eine Menge erreichen. Es ist leider ein beliebtes internationales Spiel geworden, mit dem Hinweis auf die EG oder andere davon abzulenken, daß man selbst nicht bereit ist, den Handel mit den Entwicklungsländern zu liberalisieren. Auch die Bundesregierung hat es in diesem Spiel zu einer bemerkenswerten Virtuosität gebracht.

  • Die Liberalisierung des Handels und der Begriff einer „freien Weltwirtschaft den Sie in Ihrem Konzept oft verwenden, wird doch aber auch von der Bundesregierung vertreten. Wo ist der Unterschied?