Von Wolfram Runkel

Havanna, im Februar

Akustisch sind die verpönten USA noch immer präsent. Vom hundertzehn Kilometer entfernten Florida dröhnt per Radio Miami der Imperialismus herüber auf die Insel: Clearwater Revivel, davor und danach Reklame für Coca-Cola und Cuba libre, den Long Drink.

Die meisten Kubaner wollen nichts davon hören. Sie schalten auf heimische Radiostationen und hören alle halbe Stunde eine samtene Shampoonstimme Kubas Reklame für Kuba verkünden: „Cuba – territorio libre en America – Ano del primer congreso.“ Kuba feiert in diesem Jahr, im Jahr 16 des Revolutionsregimes, das Jahr des ersten Parteitages.

Ein Jahr der Frau gibt es hier nicht – bürgerlicher Schnickschnack, nicht nötig, da der vor der Revolution so penetrante Männlichkeitswahn des Machismo, abgeschafft sei. Aber: Die meisten leitenden Stellen sind in Kuba von Männern besetzt. Nur ein Drittel aller Universitätsstudenten sind Mädchen.

Auf ihr Gesundheitsprogramm sind die Kubaner stolz. Seit der Revolution gibt es auf dem Lande 50 Krankenhäuser, vorher gab es nur eins. Malaria und Magen-Darm-Krankheiten sind fast ausgerottet. Die Kindersterblichkeitszahl ist die niedrigste in Lateinamerika, auf europäische Maßstäbe heruntergedrückt. Medizinische Behandlung und Tabletten sind kostenlos. Daneben ist das Erziehungssystem der Knüller des Castro-Regimes. Drei Jahre Grundschule und sechs Jahre Mittelschule sind Pflicht, die folgende Oberschule (drei Jahre) ist freiwillig. Für die Universität muß man sich durch Leistung qualifizieren. Den Schülern bezahlt die Regierung Kleidung und Essen. Castro: „Unsere einzigen Privilegierten sind die Kinder.“

Freilich, Lesen und Schreiben lernen nicht nur die Kinder. Seit 1961, dem „Jahr der Erziehung“, ist die Analphabetenziffer von 40 auf 3,6 Prozent gesunken. Bis auf ein paar ganz Alte und Gebrechliche können alle Kubaner lesen.