Internationale Räuber- und Hehlerbanden arbeiten zumeist im Auftrag von Kunstkennern

Italien hält einen neuen traurigen Rekord: Zum zweitenmal innerhalb von nur elf Tagen wurde jenseits der Alpen ein spektakulärer Kunstraub verübt. In den frühen Morgenstunden des vergangenen Montags stahlen bisher unbekannte Täter aus dem städtischen Museum für moderne Kunst in Mailand, 28 französische Impressionisten und italienische Meister des 19. und 20. Jahrhunderts im Wert von rund 20 Millionen Mark, „Es besteht kein Zweifel“, so klagte der Mailänder Kunstsenator Lino Montagna, „daß es sich um einen Diebstahl im Auftrag eines Dritten handelt. Die Diebe haben sich die wertvollsten Gemälde der Sammlung herausgesucht.“

Erst am 6. Februar hatte eine fünfköpfige Bande professioneller Kunstdiebe aus dem Herzogspalast von Urbino drei der berühmtesten Renaissance-Gemälde entwendet: „Die Stumme“ von Raffael sowie die „Geißelung Christi“ und die „Madonna von Senigallia“ von Piero della Francesca. Zwar konnten die Täter inzwischen identifiziert, einer sogar bereits festgenommen werden. Doch von den Bildern fehlt noch immer jede Spur: Sie sind, so glauben die zuständigen Behörden, längst schon im Ausland.

Italien, das Land mit den reichsten Kunstschätzen Europas registriert inzwischen auch die meisten Kunstdiebstähle. Allein 1974/wurden in-Italien 10 952 Kunstraube verübt – durchschnittlich 31 am Tag. Noch im Jahr 1971 waren es täglich erst halb soviel.

Doch nicht nur in Italien haben die Diebe die bildende Kunst entdeckt. Mit steigenden Preisen richten immer häufiger international organisierte Diebes- und Hehlerbanden, aber auch immer mehr „Amateure“ ihr Augenmerk auf den Kunstbesitz von Museen, Händlern und Sammlern.

Ihre bevorzugten Beuteobjekte sind Bilder, die sie zumeist aus dem Rahmen schneiden, zusammenrollen und damit leicht transportieren können:

  • So wurden im Juli 1961 aus dem Musée de l’Annonciade in St.-Tropez 57 Bilder moderner Meister, darunter Arbeiten von Matisse, Bonnard, Utrillo und van Dongen, im Wert von etwa acht Millionen Mark gestohlen.