Von Hans-Hagen Bremer

Die Operation ist gelungen. Über den Zustand des Patienten gehen die Ansichten jedoch weit auseinander.

Großbritanniens Landwirtschaftsminister Fred Peart konnte nach dem diesjährigen Brüsseler Agrarpreismarathon für sich in Anspruch nehmen, dem EG-Agrarmarkt im Sinne der britischen Verhandlungswünsche nach neuen Beitrittsbedingungen einen Sargnagel eingeschlagen zu haben. Dagegen sprach EG-Kommissar Petrus Lardinois die Hoffnung aus, der Neuner-Club werde mit dem 700 Millionen Mark teuren Preis- und Prämienkompromiß ein Jahr lang über die Runden kommen. Belgiens Landwirtschaftsminister Albert Lavens qualifizierte speziell die den französischen Nachbarn zugeschanzten Kuh-Subventionen als "abscheulich und skandalös". Und Bonns Josef Ertl orakelte: "Im nächsten Jahr wird alles noch grausamer."

Grausam war es schon diesmal – vor allem für Ertl. Der Bayer, der sich wie stets mit der ganzen Wucht seines Temperaments dafür eingesetzt hatte, daß Deutschlands Bauern nicht mit schlechteren Preisen bedient werden als die Nährständler anderer EG-Länder, mußte Federn lassen.

Mit mathematischen Übungen, "die kaum noch Bezug zu den Dingen haben" (Ernährungs-Staatssekretär Hans-Jürgen Rohr), gelang es Ertls Duz-Freund und Kontrahenten in der Agrarpreisrunde, dem Holländer Lardinois, eine erste Bresche in die von dem Bajuwaren hartnäckig verteigte Bastion des sogenannten Grenzausgleichs zu schlagen. Genau das hatte Ertl stets verhindern wollen, um seine Bauern vor Einkommensverlusten durch Mark-Aufwertungen zu schützen. Dieser Effekt kommt nun doch zustande, weil den Deutschen geringere Preiserhöhungen zugestanden wurden als ihren EG-Kollegen. "Petrus", so ulkte ein EG-Funktionär, "hat den Josef aufs Kreuz gelegt".

Ertls Nachgeben hat wohl dazu beigetragen, daß es überhaupt noch zu gemeinsamen Preisbeschlüssen gekommen ist, nachdem gemeinsame Preise wegen der divergierenden wirtschaftlichen Entwicklung in den Mitgliedstaaten nicht mehr durchzusetzen waren.

Da sich jedoch die Anpassungen nur auf die Preise, nicht aber auf die anderen Elemente des EG-Agrarmarktes beziehen, wird der gemeinsame Agrarmarkt an anderer Stelle noch weiter gespalten. Künftig gibt es nämlich für jede Währung mit Ausnahme der dänischen Krone zwei fixierte Umrechnungskurse zur Rechnungseinheit des Agrarmarktes, einen für die Preise und einen anderen für Beihilfen und weitere Stützungsmaßnahmen.