ZEIT: Ihr Land gilt heute neben England in Europa als Sorgenkind: Von Streiks geplagt, das Wachstum gering, die Inflation sehr hoch, und die Leistungsbilanz war.schon vor der Ölpreisexplosion im Defizit. Wie kann Ihr Land die nächsten Jahre überleben?

Colombo: Als wir im Frühjahr 1974 den Kampf gegen die Inflation aufnahmen, haben wir international zwei Verpflichtungen übernommen: Erstens die Geldmenge nicht weiter wachsen zu lassen und zweitens, das nicht ölbedingte Defizit in der Leistungsbilanz bis Ende zu verringern.

ZEIT: Wie sieht die Zwischenbilanz aus?

Colombo: Der Internationale Währungsfonds hatte uns empfohlen, das Defizit der öffentlichen Haushalte um mindestens 500 Milliarden Lire (0,8 Milliarden Dollar) zu reduzieren, die Europäische Gemeinschaft ging noch etwas weiter. Nach dem noch nicht ganz feststehenden Haushaltsabschluß für 1974 haben wir das Defizit um etwa 1,5 Milliarden Dollar vermindert.

Als wir im April und Mai letzten Jahres bemerkten, daß das Defizit der Zahlungsbilanz 1,3 bis 1,4 Milliarden Dollar im Monat betrug, haben wir beschlossen, daß Importeure für gewisse Importe eine Kaution hinterlegen müssen. Diese Maßnahme hatte für uns mehr den Charakter einer Liquiditätsabschöpfung als einer Einfuhrbeschränkung. Auf diese Weise wurde das Geld- – volumen um 1500 Milliarden Lire (2,4 Milliarden Dollar) verringert.

ZEIT: Und wie steht es mit der Verringerung des nicht ölbedingten Defizits der Zahlungsbilanz?

Colombo: Praktisch zeigte die Entwicklung der Zahlungsbilanz, daß wir das ganze nicht ölbedingte Defizit schon Ende 1974 beseitigt hatten. In unserer Leistungsbilanz haben wir sogar einen kleinen Überschuß, einen sehr kleinen zwar, aber er gleicht immerhin einen winzigen Teil unseres Ölaefizits aus. Der gleiche Trend hielt im Januar 1975 an. Wir haben also vorzeitig die Verpflichtung erfüllt, die wir gegenüber den internationalen Institutionen übernommen haben.