Sehenswert:

„Woody – der Unglücksrabe“ von Woody Allen ist eine chaotische Mischung aus Gangsterfilm-Parodie, jüdischem Witz und planem Nonsens. In seinem ersten Film unter eigener Regie („Take the money and run“, 1970) spielt Woody mit linkischem Charme einen notorisch erfolglosen Klein-Kriminellen, der davon träumt, auf die Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA, zu gelangen. Die aus unzähligen Gangsterfilmen vertrauten Stationen vom Bankraub über den Zuchthausausbruch bis zur Bonnie-und-Clyde-Romanze werden listig auf den Kopf gestellt und satirisch verzerrt. Die eisernen Klischees der Gattung brechen sich an den hilflosen Verrenkungen des ewigen Versagers. Obwohl es Allen nicht gelingt, die Fülle von disparaten Zitaten, Anspielungen und kabarettistischen Blödeleien in einen halbwegs einleuchtenden Ablauf zu integrieren, erfrischt der freundliche Wahnsinn des Films.

Mittelmäßig:

„Das letzte Wort hat Tilby“ von Robert Totten. John Steinbecks Novellen-Zyklus „The Red Pony“ diente als Vorlage für diesen bescheidenen kleinen Film, der einfühlsam und über weite Strecken erfreulich unsentimental vom harten Leben kalifornischer Farmer in den dreißiger Jahren erzählt. Henry Fonda, der mit Steinbeck seit John Fords „Früchte des Zorns“ eng befreundet war, liefert ein glänzendes Porträt des starrköpfigen Einzelgängers Tilby, der mit selbstgerechter Härte seine Familie regiert. Neben Fonda vermitteln alte Kämpen wie Maureen O’Hara, Ben Johnson und Jack Elam dem Film eine bemerkenswerte Ruhe und Geschlossenheit. Nur die zentrale Rolle des rebellischen kleinen Jungen ist mit einem unausstehlich affektierten Filmkind besetzt, das die schöne Atmosphäre immer wieder ruiniert. Leider leistet sich,-auch Totten einige überflüssige lyrische Arabesken.

„Die Wilby-Verschwörung von Ralph Nelson, der sich mit Filmen wie „Lilien auf dem Felde“ und „Das Wiegenlied vom Totschlag“ als Spezialist für Fragen der Rassendiskriminierung ausgewiesen hat. In der „Wilby-Verschwörung“ attackiert Nelson mit sehr viel gutem Willen und völlig untauglichen Mitteln die südafrikanische Apartheid-Politik. Sidney Poitier, der bei solchen Gelegenheiten nie fehlen darf, und Michael Caine kämpfen sich tapfer durch eine krude Räuberpistole, in der politische Mißstände allemal auf menschliches Fehlverhalten reduziert werden. Auch der Versuch, diese in Kenia gedrehte „Flucht in Ketten“ durch witzige Dialoge aufzumöbeln, wirkt eher peinlich.

Empfehlenswerte Filme:

„Daisy Miller“ von Peter Bogdanovich. „Das Gespenst der Freiheit“ von Luis Buñuel (siehe Seite 18) Verboten“ von Samuel Fuller.

Hans C. Blumenberg