Das Geheimnis eines guten Ministerpräsidenten

besteht zu 95 Prozent aus Fleiß

Von Nina Grunenberg

Die Ministerpräsidenten treffen sich fünf- bis sechsmal im Jahr, in der Regel in Bonn in der Vertretung des Landes, das den Vorsitzenden stellt. In diesem Jahr ist es der niedersächsische Landeschef Alfred Kabel.

Als der Hamburger Hans Ulrich Klose zum erstenmal an der Runde teilnahm, wurde er am Abend zuvor beim „geselligen Beisammensein“ der Ministerpräsidenten mit ihren Damen mit Hallo willkommen geheißen. Alfons Goppel ließ ihn wissen, er würde Hamburg gern wieder einmal besuchen, eine Schiffstaufe als Anlaß dafür reiche allerdings nicht aus, und seine Frau Gertrud machte sich anheischig, den Benjamin unter den Ministerpräsidenten in die Reihe ihrer fünf Söhne aufzunehmen. Als Klose am nächsten Tag bei der Beratung über die Angleichung der Lehrerbesoldung in die Bredouille kam, weil Hamburg die Lehrer besser einstuft als andere Länder, fand Ministerpräsident Helmut Kohl den Kompromiß, mit dessen Hilfe der Newcomer Klose in Hamburg das Gesicht wahren konnte. Den Preis dafür zahlte er gern: Kohl verlangte von dem Hamburger hundert Gramm Kaviar (Tagespreis in Hamburg 58 Mark).

Die Atmosphäre in der Runde der Ministerpräsidenten ist immer noch der in einem Herrenklub ähnlich – auch wenn zunehmend geklagt wird, daß die Beratungen in den letzten Jahren weniger sachlich geführt wurden und „die Landesväter sich mehr als sonst als Parteisöhne empfunden haben“ (Heinz Kühn). Doch die „Positionssolidarität“ (Eschenburg) der Ministerpräsidenten wurde durch die politische Polarisierung der letzten Jahre nur eingedämmt, vorhanden ist sie nach wie vor.

Mißtrauen gegen Bonn