Daß man auch das Skatspielen tierisch ernst nehmen kann, zeigt dieses Dokument

Golf, die Jagd, Bridge, Tennis seien Spiele der Oberschicht, meint Wolfgang Nahrstedt, Professor für Freizeitpädagogik in Bielefeld. Dagegen bevorzuge die Mittelschicht Doppelkopf, Turnen und Handball. Für die einfacheren Schichten des Volkes nun sei Skat das Spiel der Spiele.

Nahrstedt hielt im letzten Jahr vor dem Deutschen Skatverband in Bad Oeynhausen eine „Festrede“, in der er über die gesellschaftspolitische Bedeutung des Skatspiels für die Entwicklung der Freizeitgesellschaft sprach. Aus seiner „Festrede“, die kein Aprilscherz ist, drucken wir einige entscheidende Passagen:

„Freizeit ist als eine politische Zeit zu entdecken, als eine Zeit, in der der Bürger sich nicht nur erholt und erhält, konsumiert und Erfolge als Kleinkapitalist im Spiel genießt, sondern in der er mit den anderen Bürgern in Kommunikation tritt und die Weltgestaltung mitbestimmt. Soll diese neue Aufgabenstellung sich im Kartenspiel abspiegeln, soll damit das Skatspiel weiterhin ein Emanzipationsinstrument der Gesellschaft bleiben, hat die weitere Entwicklung des Skatspiels auf diese neuen Anforderungen der Gesellschaft zu reagieren... Die Veränderungen sind in folgenden Bereichen zu erwarten:

  • Die individuelle Freiheit wird sich weniger im Gewinnstreben als in der Kooperation und Kommunikation, im Ringen um die gesellschaftspolitisch beste Lösung erfüllen müssen. Das Skatspiel wird aus einem Geschäftsspiel zu einem Kommunikationsspiel, der ökonomische Kampf wird zu einem politischen Kampf.
  • Der Tisch wird dadurch von einem Markt zu einem Forum.
  • Der Skat wird aus einer Ware zu einem politischen Gut.
  • Die Spieler werden aus Wirtschaftskonkurrenten zu Kommunikations- und politischen Partnern.
  • Das Reizen wird aus einem Handeln zu einer Diskussion über die beste Gesellschaftsordnung.

Mit dem Augenblick, mit dem das Skatspiel das Kartenspiel wurde, das die Demokratisierung der bürgerlichen Rationalität für die breite Masse des Volkes abzuspiegeln begann, erstarrte die Bilddiskussion. Die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung blieb am Bild des Adels hängen.

Dieser Vorgang ist ein Ausdruck für die allgemeine Konservativität der Freizeitkultur. Der Sport tradiert das Speerwerfen, das Schießen, das Laufen, Springen, Werfen, damit Eigenschaften, die in der älteren vorindustriellen Gesellschaft lebensnotwendige Verhaltensweisen für das Oberleben waren, gegenwärtig aber nur noch einen Erholungs- bzw. Erinnerungswert besitzen. Das Schachspiel bleibt nach wie vor ein Kriegsspiel im Rahmen einer überholten Gesellschaftsformation mit König, Dame, Offizieren und Bauern. Die Märchen, der Karneval, die Schützenvereine; sie alle konservieren mit König, Prinzessin, Prinzengarde eine überholte Vergangenheit. Die Neugestaltung der Gesellschaft im Zeichen der Freizeit fordert eine Neugestaltung auch der Spiele... So ließe sich denken, nach folgenden ... Beispielen Skat umzudefinieren: