Von Rüdiger Löwe

Die heile Fernsehwelt ist für deutsche Sportfreunde seit der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 nicht mehr in Ordnung: ARD und ZDF hatten urplötzlich „exzessiver Schleichwerbung“ den Kampf angesagt. Jüngstes Serienopfer: Die Übertragungen von den Weltcup-Skirennen in Saalbach, St. Moritz, Garmisch, Grindelwald, Wengen (Slalom), Kitzbühel, St. Gervais, Megève und Chamonix wurden exklusiv dem deutschen Publikum ganz oder teilweise vorenthalten: mit Begründungen, die näherer Untersuchung oft nicht standhalten und Zweifel an der Erfüllung der öffentlich-rechtlichen Aufgabe zu aktueller Berichterstattung aufkommen lassen.

So ergriff, Bundespräsident Scheel persönlich beim Frankfurter „Ball des Sports“ die Initiative (Millionen frustrierter Fernsehzuschauer mögen dabei gejubelt haben) und mahnte, beim Thema „Sport und Werbung“ das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten; er halte Sport ohne Werbung für gänzlich ausgeschlossen.

Emotionale Vorwürfe nämlich wie „Fernsehterror“, „Bevormundung“ und „Flimmerfaschismus“ lösen nicht das Problem „Werbekrieg“; das Versagen der Fernsehverantwortlichen ist vielschichtiger und faktenreich. Gerade Fakten aber kamen in der öffentlichen Diskussion bislang zu kurz. An den Weltcupstationen Garmisch, Grindelwald, Wengen, Schruns und Kitzbühel lassen sich einige der unangemessenen Saisonvorbereitungen von ARD und ZDF gut beobachten.

Da sind einmal die „gemeinsamen Regelungen“, auf die sich beide Anstalten bei Absetzungen berufen, nicht schriftlich niedergelegt. ARD-Programmdirektor Hans Abich kann kein festes Kriterium nennen: „Wir sind auf Kasuistik angewiesen. Wir entwickeln immer gewisse anwendbare Prinzipien und merken jedoch, daß fast jeder Fall anders liegt... Wir haben keine schriftlichen Vereinbarungen, aber wir drängen uns mehr und mehr selbst dahin, zu gewissen Richtlinien zu kommen.“ Die ARD-Definition, wonach Werbung bei Sportveranstaltungen dann unerlaubt sei, wenn sie nur zum Zwecke angebracht sei, um auf dem Umweg über den Sport auf den Bildschirmen zu erscheinen, ist lebensfern und juristisch kaum verwendbar.

Was man beispielsweise ungenügend würdigt, ist die Tatsache, daß Rennservicefirmen (wie Zeitmessung usw.), deren Namenszüge auf Sportgeräten oft Stein des Anstoßes sind, den Veranstaltern ihre Dienstleistungen kostenlos liefern und dadurch manche Veranstaltung erst ermöglichen.

Zu empfehlen wäre ARD und ZDF, ein Buch herauszugeben mit genauen Regeln für erlaubte Fernsehwerbung bei jeder Sportart.