Nun wissen wir es ganz genau, wozu das „Jahr der Frau“ gut ist. Die Reisefirma Hapag-Lloyd sagt es uns: Damit die Frauen ermutigt werden, sich die rechten Partner zu suchen. Und so bittet die MS Europa, die „First Lady unter den Kreuzfahrern“, zur „Damenwahl“ (Anzeigentext): Ein Bikinimädchen weist einladend auf den leeren Deckstuhl neben sich. Wen immer es sich zur Reisebegleitung erkürt, ob Freund, Mann oder Freundin: er (sie) reist zum halben Preis.

Nach den „Rosa Zeiten“ bei der Bundesbahn folgt hier eine neue Form ertragreicher Zweisamkeit, und damit kein falscher Eindruck entsteht, kommt nicht die Dame sondern ihre Begleitung in den Genuß der Prozente. Natürlich nur in der Vorsaison. Im Sommer gehen die Preise wieder aufs Ganze.

Die neue Freiheit der Frau? Nach Hapag-Lloyd sieht sie so aus: initiativ werden und auch mit materiellen Reizen nicht geizen. Freilich ist die Frau nur scheinbar vom Objekt zum Subjekt der Werbung avanciert. Denn sie wirbt ja, durch sich, für den Veranstalter. Und wie wäre es mit dieser (sicherlich extremen) Lesart: Bei solcher Kreuzfahrt spart man(n) Geld und gewinnt Mädchen.

Der emanzipatorische Anstrich hält, natürlich, der Prüfung nicht stand, aber das ist auch gar nicht beabsichtigt. Ob die Frau nun für den Gewebetiefreiniger oder für eine Reise wirbt – auch 1975 wird sich an ihrer Rolle als Werbeträger nichts ändern. Was das „Jahr der Frau“ den Frauen bringen wird, ist ungewiß. Daß es der Werbung einen neuen Slogan liefern würde, war vorauszusehen. Barbara von Jhering